In eigener Lache: Unkenrufe.

Lieber Mitmensch,

es war einmal eine Königstochter, die sich an jedem warmen Tag hin zum kühlen Brunnen unweit des Palastes begab. Wurde es ihr fad, so nahm sie ihre goldene Kugel, warf sie in die Höhe und fing sie wieder; das war ihr liebstes Spiel. Einmal aber stach ihr ein allzu vorwitziger Sonnenstrahl in die Augen. Da musste die Königstochter blinzeln, die Kugel fiel ihr nicht in das Fanghändchen, sondern geradewegs in das tiefe Dunkel des Brunnenschachtes hinein. Bevor sie auch nur eine Träne vergießen konnte, streckte ein Frosch seinen Kopf aus dem Brunnen und hub das Sprechen an: “Der Deal ist folgendermaßen” sagte er, “du die Kugel, ich einen Kuss. Und dann natürlich Hochzeit. Keine Angst, ich verwandle mich in einen Prinzen”

„Bis dahin nur ohne Zunge“, erwiderte die Königstochter, spitzte ihre Lippen und fügte sich seufzend in die Modalitäten. So dicke hatte es ihr alter Königsvater auch nicht, dass sie ihm sein Edelmetall gleich kugelweise in die Zisternen schmeißen durfte. Und wenn sie an die grobschlächtigen Nachbarsprinzen dachte… da traf sie es mit einem verwunschenen Bräutigam allemal besser. „Glapp!“, machte es, und es schmeckte leicht seifig, als sich ihre Lippen trafen. Vor der Königstochter stand nicht mehr ein Frosch, sondern ihr Gatte in seiner wahren Gestalt: als fette Unke. „Unkenprinz!“ unkte er. „Menschenprinz habe ich nie behauptet. Außerdem war das eine Privatauktion, Umtausch und Haftung ausgeschlossen“. Sprach’s und reichte ihr die Goldkugel zurück.

So kehrte die Königstochter an der Seite ihres Gatten in den Palast zurück, und sie brachte Müh und Not über die Schwelle. Denn ihr warzengesichtiger Gemahl tat fortan das, was ihm seine Natur befahl: zu unken, zu unken und zu unken. Ein warmer Tag ließ ihn die Dürre fürchten. Ein frischer Wind verhieß den Kältetod. Das freundliche Gesicht verbarg die Hinterlist. Ideen waren Samenkörner für das Scheitern. Wer hoffte, wusste nichts vom Leben.

Als nun der Winter kam, da gab es nichts im ganzen Königreich, an dem nicht Spuren seines glibberfeuchten Unkensermons klebten. So nah war er dem Ziel, das er verborgen unter seinem grauen Herzen trug: Das Reich in Unkenland zu wandeln und mit ihm all seine Bewohner in willfährige Unkertanen. Auf dass ihn niemand mehr in seinem dumpfen Brüten störte. Nur noch die Königstochter mit ihren schönen und freundlichen Augen leistete ihm Widerstand. So unkte er ihr zu: „Bloß weil dein Vater den ganzen Tag auf dem Thron sitzt, ist er noch lange kein König. Wer wirklich Arbeit sucht, der findet sie auch. Und der muß sich sein Versagen auch nicht durch so ein vornehmes Gehabe beschöni…“ Da tat es ein Geräusch wie von einer Harfensaite, die plötzlich unter großer Kraft zerspringt. Der Geduldsfaden der Königstochter war gerissen. Sie packte die Unke und warf sie ohne große Mühe zurück in den Brunnen. Denn eine Unke ist, so sehr sie sich auch bläht, immer noch nur eine Unke. Und selbst das langsame Prinzesslein hatte zu guter Letzt erkannt, dass jeder Tag zu kostbar ist, um ihn an solche Kröten zu verschwenden. Hei! War das eine Freude und ein Erwachen!

Die Unke aber sitzt nun wieder ganz allein im dunklen Brunnen. An trüben Tagen kannst Du sie leise unken hören, wenn Du Dein Ohr fest an die Wasserrohre presst. Es gibt nur keinen Grund, ihr zuzuhören. Komm also doch lieber am Dienstag in die Scheinbar und sieh uns zu, wie wir sie überstimmen:

 

ZweiBeiner: Du hast mich & Ich hass Dich

Di, 11.11.2008, 20:30 Uhr

Scheinbar, Monumentenstr.9, 10829 Berlin,

 

Du musst auch keine Angst vor diesem Datum haben: Den Karneval, den schicken wir zur Unke hin. Ein kleines Hörspiel gibt es hier zu diesem Thema: www.zweibeiner.net. Da findest Du auch weitere Termine.

 

Bis bald also.

Schmidtke, Zweibeiner

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