Alle Beiträge bei: Augen auf Penelope

PASSAGIERE EINES FLUGES.

Von Georg Ufer


PASSAGIERE EINES FLUGES, man konnte den Wortlaut nicht genau verstehen, aber nach Rio soll er sie führen, wurden aufgerufen. Wie ziellos liefen sie herum; zwischen unzähligen anderen. Draußen regnete es, blitzte; der Donner war unbarmherzig heftig.






Ein etwa achtjähriges Mädchen, das einen Beutel trug, mit finnischen Worten bedruckt, zu alt war es eigentlich schon, um in Panik zu geraten, da es doch allein unterwegs und immer wieder suchend um sich blickte, zu jung aber auch, um für sich zu reisen, sah auf einmal in die Kamera. Es hatte sie entdeckt.


Das Mädchen setzte den Beutel ab. Sein Gesicht war rot geworden, als wäre es einsam und hätte geliebt, schon länger als sein ganzes Leben. Die Lippen zitterten, oder lächelte es nur beiläufig, bevor es sich abdrehte und seinen Eltern zuwinkte. Der Vater, drei Köpfe größer, als die mechanisch sich bewegende Mutter. Die Kinder, die uralten Kinder des Mädchens, konnten die beiden sein.




(Auszug aus „“Augen auf Penelope”)


Weiterlesen

SIE BEOBACHTET DIE SCHLANKEN BEINE DES INDERS.

Von Georg Ufer


SIE BEOBACHTET DIE SCHLANKEN BEINE DES INDERS, die er rechts und links über die Bootsspitze hinausgestreckt hat, bemerkt, wie hinter seinen Füßen, der ferne Küstenstreifen im Tageslicht flimmert.
  Vor ihr auf dem Bauch liegt der Sikh. Sie sieht auf die helle Narbe, seitlich oberhalb seiner ausgeblichenen Shorts, vielleicht hatte er als Kind eine lebensgefährliche Operation gehabt. Sie lehnt mit dem Rücken an der Windschutzscheibe des kleinen Rennbootes, hat die Beine angezogen.


Er hatte ihr erklärt, sie könne das Ruder sich selbst überlassen, sie würden Kurs halten, sie solle sich nur auf ihn einlassen, vielleicht auf das Meer und ihn, hatte er noch hinzugefügt, aber nicht auf das Festland, diese andere Welt.
  Er war mit ihr weit hinausgefahren, hatte erzählt: „Das Festland, das brauchen wir beide nicht, vergesse es, Sarah, obwohl Du es lange zum Leben benötigt hast, aber schau, gab es Dir was?“



(…)

Weiterlesen

DIE ERSTE LAUE NACHT WIEDER.

Von Georg Ufer

DIE ERSTE LAUE NACHT WIEDER; seit Wochen. Weit in der Ferne, kann er am hellen Himmel die City ahnen. Dauernd ist ihm, als wäre es gestern. Charlie sieht durch eine seiner Video-Kameras.   Zwischen den beiden Gaslaternen, wo vor einem halben Jahr, an einem durchgängig regnerischen Tag war es gewesen, die zwei jungen Linden nachgepflanzt wurden, […]

Weiterlesen

SARAH SIEHT IHN AUS IHREM VERSTECK.

Von Georg Ufer


SARAH SIEHT IHN AUS IHREM VERSTECK: mitten in der, über die Jahre, immer dichter und dichter zusammengewucherten Strauchgruppe von Schneeball.
  Als Kind hatte sie dort oft gesessen, sich stundenlang in den Zweigen versteckt. Und es war noch gar nicht lange her; verschiedenste Vögel brüteten damals dort, immer und immer wieder, unentdeckt.




Sie hat das Gefühl, als kenne sie ihn nicht, jetzt, wo sie ihn durch die Kamera beobachtet, er über die Rasenfläche auf den Pool zugeht. Sie sieht ihn gegen die untergehende Sonne, nackt ist er und ihr eigener Vater. Sie verfolgt, wie er ins Bassin springt, mit einem unbeholfenen Kopfsprung; und er tut alles so müde.
  In die Jahre gekommen ist er, alt geworden; so schnell. Sie wundert sich. Sie erschrickt.



(Auszug aus „“Augen auf Penelope”)

Weiterlesen

ALS SARAH EINEN SCHRILLEN SCHREI HÖRTE.

Von Georg Ufer

ALS SARAH EINEN SCHRILLEN SCHREI HÖRTE, sprang sie auf, so dass der Inder erschrocken von ihr fiel. (Auszug aus „“Augen auf Penelope”)

Weiterlesen

PENELOPE SCHLIESST DAS BUCH.

Von Georg Ufer

PENELOPE SCHLIESST DAS BUCH und tritt an ihr offenes Fenster. Aus der Helligkeit musste sie hinaus. Sie fühlt die Nacht und löscht das Licht. Sie schaut hinauf zu Charlies Wohnung, wo sie die Kamera weiß; und sie zieht sich aus. Sie musste aus dem Licht hinaus. (Auszug aus “Augen auf Penelope”)

Weiterlesen
Ältere Beiträge