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Aktuell:

Genre : Wortspiel

Auf vielfachen Wunsch hier das alternative Weihnachts-programm: ein absurdes Kurztheaterstück.

Voll Geheimnisvoll.

Ein Kuckuck ruft.

ER

Lady! Man nennt mich den einbeinigen Friseur. Und ein dunkles Geheimnis liegt über meinem Leben!

SIE

Aber Sie haben doch zwei Beine! Wieso heißen Sie denn dann einbeinig?

ER

Tja, Lady. Da sind wir schon mittendrin im dunklen Geheimnis.

Von der Decke fallen die Körper alter James-Bond-Darsteller.

Ende.

Das Leben

Seid gegrüßt ihr lieben Menschen, hi liebe Therese,

Manchmal kommt man im Leben in Situationen, in die man so eigentlich gar nicht kommen wollte.
Also sicherlich ist es auch wieder müßig, zu überlegen was nun wie mit dem Zufall zusammen hängen könnte und so, bla bla bla…
Manchmal…


Wissen sie, ich werd´ nämlich zum ersten Mal Vater.“
Herr Eberding lispelte leicht, was die Frau an der Information auch leicht belustigte.
Lassen sie mal sehen…,“ sagte sie. „Eselflink ja?“
Eberding“, sagte Herr Eberding, „Eberhardt Eberding. Wissen sie es ist ja so…“


Hier haben wir sie, Block G-Z, Haus 37b, im Rechten Flügel. Wenn Sie durch die Toreinfahrt von Haus 47g laufen sind sie schneller da. Geht aber auch einfach, immer in Richtung Innere…, wie Sie wollen. Auf jeden Fall im Haus 37b suchen Sie dann Abschnitt H5N1 und suchen nach der Anmeldung in Zimmer 30.26. Falls die nicht da sind klopfen sie mal beim gegenüberliegenden…, nee…, besser den Flur runter und denn rechts. Falls da die Glastür nicht abgeschlossen ist. Sagen sie, daß die Bescheid sagen sollen, daß im Zimmer 30.26 keiner ist.
Und die sagen ihnen denn wo ihre Frau liegt. Ist sie denn überhaupt sicher bei uns auf dem Gelände, oder vielleicht drüben in der Uni- Klinik?“


Ähm…“, sagte Herr Eberding.



Na ja, das wär dann natürlich nicht so einfach zu finden.“


Nein, nein, soweit ich weiß ist sie hier, ich hab´s mir ja genau aufgeschrieben…“
Eberding kramte in seiner Jacket Tasche, und in seiner Hosentasche, in der Innentasche des Jackets und in der anderen Hosentasche.
Na machen sie mal so wie ich gesagt hab, ich hab zu tun.“
Damit klemmte sie sich den Telefonhörer zwischen Ohr und Schulter gleichzeitig und fing an, wild auf der Tastatur ihres Computers rumzutippen.
Herr Eberding konnte mit solchen Situationen nicht besonders gut umgehen. Er hatte noch nie ein Krankenhaus von innen gesehen und dies hier hatte die Größe einer Kleinstadt. Die Reisetasche seiner Frau fest in der linken Hand, bereit sie gegen jede Unbill zu verteidigen, lief er los.
Die Haupthalle war groß wie ein Flugzeug Hangar, ein Cafè, ein Restaurant und eine Spielhalle waren da. Das mit der Spielhalle verwunderte schon ein bisschen, fiel aber neben der Tabledance Bar nicht so sehr auf. Dann gab es Blumenläden, eine Apotheke, einen Bäcker, das Nagelstudio „Harmonie“, einen Frisör und einen Laden der ausschließlich selbst gehäkelte Topflappen verkaufte.

Na du Eimer Scheiße !!!“ Der kleine Mann in dem Rollstuhl versperrte Herrn Eberding den Weg.


Wie bitte?“ fragte er.


Hast du was an den Horchlöffeln? Ich sagte, Na du Eimer Scheiße !!!

Gib ma ne Zigarette !“


Eberding wußte nicht ganz genau wie er reagieren sollte.
Tut mir leid, ich rauche nicht.“


Denn besorg eine. Und das ganze recht hastig, sonst box ich dir aufs Mundstück.“


Mit einem beherzten Satz rettete sich Eberding in den Fahrstuhl, der auch erst mal losfuhr. Bevor der verstörte Finanzbeamte darüber nachdenken konnte, wo er hin wollte, ging die Tür wieder auf. Er betrat eine weitere Halle die, im Gegensatz zur Haupthalle ganz weiß war.


Guten Tag,… Name?“


Eberding hätte schwören können das der kleine Mann aus dem Rollstuhl jetzt vor ihm stand. In einen Kittel gekleidet, mit einem Stapel Papier in der Hand.

Eberding, Eberhardt Eberding, aber sagen sie mal, waren sie nicht eben noch…“


Todesursache?“ fragte der Mann, sichtlich nicht gewillt auf Eberding einzugehen.


…w…, w…,was?“ stotterte er.


Woran sie gestorben sind, mein Gott, ist doch erst ein paar Minuten her, können sie doch nicht schon wieder vergessen haben. Sie werden doch in Ihrem Alter noch kein Alzheimer haben oder?“


Nein“, sagte Eberding, „wissen sie ich werde nämlich zum ersten Mal Vater…“


Muuhaaaaaahahahahaa…, guter Witz.“ In der Sekunde in der der Mann lachte, war er wieder ernst.
Hören sie zu Herr…, ich habe nicht das ganze Jahrhundert Zeit für ihre Späße. Wenn sie sich nicht erinnern können, woran sie gestorben sind, dann gehen sie bitte in Block G-Z, Haus 37b, im rechten Flügel. Wenn Sie durch die Toreinfahrt von Haus 47g laufen sind sie schneller da. Geht aber auch einfach, immer in Richtung Innere…, wie Sie wollen. Auf jeden Fall im Haus 37b suchen sie dann Abschnitt H5N1 und suchen nach der Anmeldung in Zimmer 30.26. Falls die nicht da sind klopfen sie mal beim gegenüberliegenden…, nee besser den Flur runter und denn rechts. Falls da die Glastür nicht abgeschlossen ist. Sagen sie, daß die Bescheid sagen sollen, daß im Zimmer 30.26 keiner ist.“


Also jetzt Moment mal !“ So ein mutiger Vorstoß kostete Herrn Eberding schon eine Menge Überwindung. „Ich bin nicht tot, ich suche meine Frau, die mein Kind bekommt…, also nicht mein Kind, es ist aus dem Institut…, also ich meine…, von Proffessor Stein…, tahl…, äh…“


Haaach, immer diese Nicht-Los- Lassen- Können Typen, noch vor dem Mittagessen.
Das ist gaaaanz noooormal, schließlich sterben sie ja zum ersten Mal.“ Die Stimme des Mannes hatte jetzt einen leicht gereizten Ton, den man oft bei Pädagogen beim Mittagessen hört.
Wenn sie sich erst mal alles angeschaut haben…“


Aber ich will nichts anschauen außer mein Kind…, also wie gesagt es ist ja nicht wirklich mein Kind…,“


Also jetzt springt mir hier aber gleich der Flügel aus´m Kreuz!“ Der Mann wurde ganz rot im Gesicht, was sich im Gegensatz zur Umgebung äußerst auffällig ausmachte.
Was glauben sie eigentlich was ich hier den ganzen Tag mache ?! Alle paar Minuten kommen hier Tote an, die sich aber auch derartig affig haben…, ich meine, mein Gott, ihr nächstes Leben beginnt in…, „ er schaute, oder besser, er wühlte in seinen Zetteln,“… 7 Stunden und zehn, nein 11 Minuten. Bis dahin können sie froh sein, wenn sie alle Formalitäten erledigt haben.“


Was soll´s denn jetzt noch für Formalitäten geben?“ Herr Eberding bekam langsam den Verdacht, das etwas dran sein könnte, an dem was der Mann sagte. Schließlich ging es ihm in letzter Zeit gar nicht gut. Der Stress mit dem Kind, der Schwangerschaft, den Schulden…, da bekommt man schon mal einen Herzinfarkt, ohne das man´s wirklich mitbekommt.


Tsspfff, noch nie was vom jüngsten Gericht gehört?“ Der Mann schaute jetzt sehr arrogant auf Eberding herab.


Ich habe mir nie etwas zu schulden kommen lassen.“


Jaja, das sagen sie alle. Grade so Typen wie sie, stille Wasser sind dunkel.“


Tief heißt das…“


Was?“


Na stille Wasser sind tief und nicht dunkel.“ So langsam beschlich Eberding eine, fast -alles -scheißegal-Stimmung, die er so noch nicht kannte. Für eine Sekunde dachte er, daß der Tod auch seine guten Seiten hat.


Ach !?“, keifte der Mann seinerseits los,“und warum dürfen die nicht dunkel sein?“


Dürfen sie, aber das Sprichwort geht anders.“


Bei euch auf der Erde vielleicht, aber ihr tickt ja alle sowieso nicht mehr ganz richtig da unten.“


Da oben heißt das…“


Was?“


Tickt nicht mehr richtig da oben:“


Also jetzt mal bitte nicht noch Gotteslästerung in meinem Aufnahmebereich. Den halte ich seit nun mehr als 899.605.467. Jahren sauber. Versauen sie mir bloß nicht den Schnitt. Glauben sie ich habe Lust wieder als Verkehrsengel anzufangen ?“


Aber ich bin ein gläubiger Mensch. Ich geh immer in die Kirche.“


Ja, fragt sich bloß in welche. Bestimmt eine von diesen so genannten neuen Kirchen, Scheintologie, oder so…“


Also bitte, ich bin seit meiner Geburt evangelisch.“


Sag ich doch…, neu modischer Kram. Früher, da wußten die Leute noch um was es ging.“

Er schaute wichtig. Eine lange Pause entstand und der Mann genoss die Situation ganz erheblich. Schließlich riss Eberding der Geduldsfaden.


Um was ging es denn, verdammt noch mal…?“


Geduld…, es ging um Geduld und geflucht wird hier nun schon gleich gar nicht. Wissen sie, ich habe Freunde da oben…, und ich könnte sie, einfach so, ohne das es jemand merkt ganz nach unten schicken…“


Kommen sie mir nicht so, ich arbeite beim Finanzamt, dieses Prinzip kenne ich.“

Sie haben gearbeitet…“


Was?“


Na beim Finanzamt.“


Ach so, na wie auch immer. Wenn ich denn jetzt wirklich tot bin, wer kümmert sich dann um meine Frau und meine Kinder?“


Sie haben doch noch gar keins.“


Natürlich, und wahrscheinlich ist es inzwischen schon da.“


Nein, nein,“ der Mann senkte die Stimme etwas, „das ist bei der Geburt gestorben…“


Eberding wurde bleich, was wiederum jetzt genau zur Umgebung passte.


…, ihre Frau hat Glück gehabt, die liegt im Wachkoma.“


…aber…, aber…,“ Herr Eberding war zu keiner wirklichen Reaktion fähig.


Ich könnte da was arrangieren, das sie noch mal mit ihr reden können. Das Kind ist nun gleich wieder zurück ins Lager…“


Wie meinen sie das, mit ihr reden?“
Nun, wie gesagt, sie liegt im Wachkoma, das heißt, das sie sozusagen mit einem Bein und mit dem andern schon bis zum Knie hier ist. Und ich könnte für sie…, gegen eine kleine Gebühr…, zum Beispiel, also nur zum Beispiel, ihre Scheckkarte mit Geheimnummer. Groß gebrauchen können sie die jetzt sowieso nicht mehr.“


Aber was wollen sie denn hier mit einer Scheckkarte?“


Ich sammele die…, äh also es ist nicht gerade das spannendste Hobby, aber wenn sie erst mal ein paar Jahrhunderte hier gestanden haben, sind sie leicht zu begeistern.“


Herr Eberding gab dem Mann seine Brieftasche. „Die Geheimzahl steht auf dem kleinen Zettel.“


Na das soll man aber nu´ gar nicht machen, Herr…, wie leicht kann da Mißbrauch enstehen.“


Kann ich jetzt mit meiner Frau sprechen?“


Natürlich.“ Der Mann drehte sich um und ging.
Halt, warten sie“, rief Eberding, doch da war der Mann schon verschwunden.

Es vergingen unendliche Sekunden, bis Eberding sich ein Herz fasste und laut sprach:
Else ?!…, Else hörst du mich? Wenn du mich hörst, gib mir ein Zeichen…“
Was machen sie denn hier unten?!“ Die beiden Männer waren auch in weiß gekleidet, aber offensichtlich Krankenpfleger.
Der Keller ist für Besucher nicht erlaubt. Und mit wem reden sie da?“
Nun ja…“, der Finanzbeamte wußte schon wieder nicht wie er reagieren sollte,“wissen sie das ist so…, ich bin tot, also nein eigentlich nicht, oder ich weiß nicht genau und meine Frau bekommt…, bekam doch dieses Kind aus dem Institut und der Mann hat gesagt ich könnte noch mal mit meiner verstorbenen Frau sprechen, solange sie im Wachkoma liegt und ich die Formalitäten noch erledigen muß. Verstehen sie?“


Die Krankenpfleger sahen sich an und begannen mit gutmütigem Ton auf Eberding einzureden:
Na klar, und wenn der Mann das gesagt hat, dann wird das auch schon stimmen. Können sie sich ausweisen?“


Ja natürlich, das heißt nein, der Mann hat ja meine Brieftasche, vielleicht fragen sie mal oben nach, der hat ja meine ganzen Papiere und meine Scheckkarte…“


Schon klar…“, die Männer begannen Herrn Eberding von zwei Seiten her zu umkreisen und ehe man sich´s versah hatten sie sich auf ihn gestürzt, ihn zu Boden gerissen und bewußtlos geschlagen.
Als Herr Eberding wieder aufwachte, lag er in einem Bett, das an allen Seiten Gitter hatte. Er war an Händen und Füßen fixiert. Die Sonne schien durchs Fenster, ihm genau ins Gesicht, so das er die Personen die gerade das Zimmer betraten nicht sehen konnte. Er konnte nur ihre Schatten erahnen und sie hören.
So, und was haben wir hier?“


Klarer Fall von Seppenheimschizophrenie. Wurde völlig orientierungslos, ohne Ausweis gefunden. Wollte gerade mit seiner verstorbenen Frau reden. Und wir dachten, bevor das, wie in einem solchen Fall üblich, in Gewalttätigkeit ausartet, unterbinden wir das ganz schnell. Wir haben ihn jetzt erst mal ruhig gestellt, schließlich wollen sie ja auch in Ruhe ihr Wochenende genießen, Herr Chefarzt. Und am Montag ist er dann gleich der Erste, den Sie operieren dürfen.


ende

Der IT Spezialist Zuhause

Guten Tach ihr Lieben,

Gestern haben wir ja schon mal darüber gesprochen, wie sich unsere Sprache, im Laufe der Zeit verändert. Nun tut sie das nicht nur bei Jugendlichen…

Sie:

Na Schatz, wie war dein Tag…?

Er:

Ooch, eigentlich normal Limit. Morgens war ein bisschen Strange Feeling.

Sie:

Na erzähl mal.

Er:

Also ich war just in Time im Office am Desk, da callt mich doch der Regional Sales Manager, weil er fucking scared ist, because of the Kick-of-Veranstaltung. Hab ihm dann erst mal klargemacht, daß da die Core Competences ja wohl nicht bei ihm liegen.Ich sag, das wurde doch wohl im Organizing Commitee ganz klar approved, und bei dem Roll-Out wird das Mailing ja wohl bis zu ihm durch gekommen sein.

Sie:

…, Hmmm, verstehe…

Er:

Ich mein, mir kam dann in Mind, daß es natürlich possible ist, das ich bei meiner To Do Liste, beim Tracken der Mail vergessen habe an ihn zu forwarden. Aber beim Brainstormimg haben dann alle confirmt, das wir submittet haben und der will sich nur wichtig machen und soll sich mal besser um sein eigenes Client-Management kümmern.Klar haben wir bei den Workshops jetzt immer ein auf Come together gemacht, aber bei dem hört es ja wohl auf. No addet Value der Typ…

Na stell dir mal vor, bei dir im Bäckerladen quascht dir ständig jemand in die Allocation. Den Würdest du doch auch zum Teufel distributen, oder…?

Sie:

Na ja…, kommt drauf an…

Er:

Na oder, stell dir mal vor…, da kommt ein neues Update aus der Backstube, im Grunde Lowcost, nich mal als Giveaway zu gebrauchen, geschweige denn als Teaser. So und du, natürlich die Worte des Coachs im Ohr, Corporate Culture samt Identity, haust dich voll in die Preparations. Klar steht in deiner Job Discription nur, du sollst Brötchen verkaufen…, aber du bist schon mitten im Team-Building-Event und stellst im Conference Call zur Diskussion wie ihr als Employers in einer power vollen Performance den Service Level für den Customer erhöhen und zur Steigerung der Units beitragen könntet…, da kommt auf einmal der Bäckergeselle an und will dir was von Benchmark orientiertem Controlling erzählen und von Corporate Design und meint das er die Release Party für die Käsebrötchen für reichlich overdosed hält. Was würdest´n du da sagen…?

Sie:

Ähm, Klaus ich glaub dein Cheeseburger ist fertig…

Kunst mit der Ex

Eine Vernissage in einem Galerien-Geheimtipp-Hinterhof. Das Publikum ist zugegen; die Vernissagen-Eröffnungsperformance läuft bereits: Zu traditionellen mongolischen Hochzeitsgesängen, unterlegt von digitalisierten Klängen zuschlagender Friedhofstore aus ganz Europa, versucht ein Butoh-Tänzer, sich ein Bein auszureißen und mit ihm die Geister der Vergangenheit zu vertreiben, die ihn umschwärmen.

Derweil trifft am Sektausschank im Hintergrund eine Ex ihren Ex.

SIE

Hallo, Ullrich!

ER

Sybille? Bist Du das etwa?

SIE

Ach, Du hast mich gar nicht erkannt? Obwohl Du mich seit einer Viertelstunde beobachtest.

ER

So lange bin ich noch gar nicht da.

SIE

Und was willst du hier?

ER

Ich bin eingeladen. Gut siehst du aus! Vielleicht habe ich dich deswegen nicht erkannt.

SIE

Du hast dich aber auch verändert. Zugenommen?

ER

Ab. Wie lang ist das jetzt her? Fünf Jahre?

SIE

Anderthalb. Komm, ein bisschen zugenommen hast Du schon.

ER

Wirklich nicht. Erst anderthalb? Das ist für mich alles so weit weg…

SIE

Du musst es ja nicht zugeben. Und – mit wem bist du hier?

ER

Heute mal allein.

SIE

Aber du hast jemanden.

ER

Klar. Immer mal wieder. Kennst mich ja.

SIE

Aber, ja. Je nachdem, ob du gerade das Geld hast.

ER

Komm, hör auf. Und Du?

SIE

Ich bin richtig glücklich.

ER

Schön. Er auch? (lacht)

SIE

Sonst hätte er mich wohl nicht geheiratet.

ER

Ach! Das ging ja schnell.

SIE

Wenn man einmal den Falschen hatte, dann merkt man sofort, wenn es der Richtige ist.

ER

Und wer behält schon die Ruhe, wenn die biologische Uhr immer lauter tickt. Hat er dich schon geschwängert?

SIE

Wir haben Zeit. Er ist acht Jahre jünger als Du.

ER

Also neun jünger als du.

SIE

Du bist immer noch älter, Schatz. Und klingst irgendwie verbittert.

ER

Ich gönne es Dir doch. Von Herzen. Du hattest schon immer diesen klassischen Mädchentraum, eine Braut zu sein.

SIE

Ich wollte ihn heiraten. Nicht generell.

ER

Ja, klar.

SIE

Und schon gar nicht dich.

ER

Ich hab mich ja auch mit Händen und Füßen gewehrt!

SIE

Ich wollte dich nicht, mein Dickerchen. Darum hab ich mich von Dir getrennt.

ER

Du wolltest doch nicht wie deine Mutter werden?! Und jetzt säufst Du Dir auch schon die Vergangenheit schön! Ich habe Schluss gemacht.

SIE

Da weiß ich ja gar nichts von. Das musst du getan haben, als ich schon nicht mehr da war!

ER

Ach, ja – du warst ja nicht das einzige, was dann nicht mehr da war! Keine schlechte Organisation, in 7 Stunden eine halbe Wohnung leer zu räumen.

SIE

Deine Exfreundinnen haben mir beim Tragen geholfen. Mein Gott, waren die motiviert!

ER

Nee, nee, du bist schon einmalig. Mit den anderen habe ich normalen Kontakt. Sonst wäre ich hier wohl auch kaum eingeladen worden.

SIE

Wieso?

ER

Das ist Ullis Vernissage.

SIE

Die Ulli, mit der ich dich mal getroffen habe?

ER

Deine Nachfolgerin.

SIE

Ullrich und Ulli. Klang für mich wie Sendung mit der Maus. „Das ist das Maulwurfspärchen Ulli und Ullrich.“

ER

Wir sind ja nicht mehr zusammen.

SIE

Und sie hat die Bilder gemalt? Wie findest du sie denn?

ER

Sieht immer noch gut aus. Wir hatten zwischendurch noch mal ein kleines…

SIE

Die Bilder, du Kunstliebhaber.

ER

Ach, so. – Ja. Schon.

SIE

Komm, ich kenn dich doch. Wie fändest Du die Bilder, wenn du kein Interesse an der Vagina des Künstlers hättest?

ER

Schrei doch nicht so. – Die Bilder haben was Unverwechselbares.

SIE

Das hat ein Autounfall auch. Trotzdem möchte ich ihn nicht im Hause haben.

ER

Du hast gut reden. Sie hat mir mal eins geschenkt.

SIE

Mein Gott – sie muß dich noch mehr hassen als ich!

ER

Der Gedanke ist mir gerade auch gekommen.

Beide kichern.

ER

Scheiße. Hast du das da vorne mit den fickenden Pferden gesehen?

SIE

Das große? Das sind ja wohl eindeutig Elefanten. Warte mal – ich guck mal auf den Titel.

Sie tritt näher heran und schaut auf die winzige Begleittafel neben dem Gemälde.

ER

Pferde, oder? Sag schon.

SIE

„Die Kartenspieler.“

ER

Scheiße, scheiße, scheiße.

SIE

Stell dir mal vor, Ihr hättet Kinder gekriegt. Du hättest überall Ullis Bilder aufhängen müssen. Und in die Zwischenräume die Bilder von den Kindern, die sie aus dem Kindergarten mitgebracht hätten.

ER

Die Hölle in Acryl.

Sie lachen gemeinsam.

SIE

Ich meine: Sie roch doch auch danach.

ER

Was? Nach Farbe?

SIE

Als ich euch getroffen habe.

ER

Damals hatte sie so eine Phase: Nur Bleistiftzeichnungen.

Sie lachen.

SIE

Dann war es ihr Make-Up.

ER

Das kann auf jeden Fall stimmen. Da war sie immer großzügig.

Sie lachen lange und schauen sich an.

ER

Natürlich hab ich sofort gesehen. Ich könnte dich nie übersehen.

SIE

Ist doch nicht alles weg, was?

ER

War es nie. Das weißt du auch.

SIE

Hast du den Raum hinter der Garderobe gesehen?

ER

Ist da einer?

SIE

Der ist ganz leer.

ER

Und dein…

SIE

Der ist schon ganz voll. Und er hat einen Kollegen aus der Agentur getroffen.

Sie lächeln beide und gehen.

(Happy End)

Warten II

Meinen Sie der Bus kommt heut’ noch?“

„Nein, ganz sicher nicht.“

Ach, meinen sie nicht?“

„Nein, ich meine nicht, aber ich kann mich ja auch irren.“

Aber eben haben sie doch gesagt, sie wären sich sicher?!“

„Sind sie sicher?“

Sicher!“

„Hmm, na dann wird er wohl auch nicht kommen. Aber vielleicht kommt ja der Schriümpelmützschlackschlack.“

Das hab ich auch schon gedacht.Schriümpelmützschlackschlack.“

„Wie können sie das gedacht haben ? Das habe ich doch gerade“

Ja aber, aber genau in diesem Moment habe ich auch daran gedacht.Schriümpelmützschlackschlack.“

„Das können Sie mir nicht erzählen ! Glauben Sie ich bin Gaggl ?“

Sie sind sogar Gaggaagl. ! So !“

„Pfffff…, jetzt hab ich aber genug von ihnen. Sie brauchen wohl mal eins auf’s Schnapponske !?“

Nur zu, nur zu ! Ihnen hau’ ich die Qualle aus´m Drömel !“

„Pah…, wenn sie mal schauen wollen…, 45er Magnum Mandel.“

Dschiiiiiiiiiiihadh…!“

„Ach, damit können sie mir doch nicht kommen. Wo wollen sie denn eine Bombe versteckt haben?“

Im Schuh.“

„Hahahaha…, im Schuh, sie sind doch wirklich komplett schwerbescheuert. Und im Ohr haben sie eine Packung tiefgefrorenen Spinat mit Ei…“

…, woh…, woher wissen sie das ? Noch nie hat jemand so tief in mich geschaut, um die Packung tiefgefrorenen Spinat mit Ei zu sehen…, vielleicht sind sie gar nicht so…,“

„ So wie?“

Na…,“

„So doof wie sie, bin ich schon lange.“

Jetzt fangen sie doch nicht schon wieder an, ich hatte gerade Friede angeboten.“

„Das heißt Frieden, sie Heini, Frieden, und nicht Friede. Es heißt ja auch nichts und nicht nüscht.“

So, jetzt ist wirklich genug, sie haben doch Defizite in der ödipalen Phase…!“

„Lecken sie mich doch…“

Haha, sag ich doch…“

„Was sagen sie?“

Na, Defizite in der odipalen Phase…“

„Was soll denn das heißen ?“

Hat die Mutti immer nur den bösen Mann ins Bett gelassen und niemals den kleinen…?“

„Lassen sie meine Mutter aus dem Spiel !“

Wieso, ist sie hässlich ?“

„Nein tot.“

Ach so.“

„Ja…., irgendwie hat sie es auch verdient…, die kleine Schlampe.“

Verzeihung, ist sie etwa gewaltsam gestorben?“

„Das kann man wohl sagen.“

Das tut mir leid.“

„Glaub ich nicht.“

War auch gelogen…., Sie Sitzpisser…“

„Da kommt der Bus…“

Oh…, na dann schönen Feierabend Herr Kruppke-Degenhardt.“

„Für sie auch Herr Beblonske, meine Empfehlung an die Gattin.“

Ebenfalls, Herr Kruppke-Degenhardt….,
ach und wenn sie am Montag so nett wären mich bei der Besprechung zu vertreten…?“

„Natürlich, Herr Beblonske, wozu sind Kollegen denn sonst da…“

Schweigen machen.

Ich weiß von einem stillen Ort

Den hat ein Mensch gemietet

Auf dass er ihn vor jedem Wort

Und Ton der Welt behütet.

Das Leben, das den Fehler macht,

sich hierhin einzuladen

wird von ihm zum Verstumm’ gebracht

und kann ihm nicht mehr schaden.

So meiden alle diesen Platz

Die von dem Stummbold wissen.

Der Mensch darin, der rührt sich kaum

Er will auch niemand’ missen.

In dieses Schweigen, das er schuf

In einer Nacht wie heute

Kam doch jemand, ganz ohne Ruf

und sucht nach Diebesbeute.

Der Mensch, jeher von leichtem Schlaf,

Hört dieses fremde Leben

Und will es packen, um zur Straf’

Ihm nächtlich Ruh’ zu geben.

Der Dieb erschrickt und schnellt davon

und hat zum Glück gefunden:

Die Küchentür führt zum Balkon

Ein Sprung. Er ist entschwunden.

Der Mensch bleibt wach und denkt bei sich:

Oft kommen Diebe wieder.

Beim nächsten Mal entkommt es nicht

Schwört er und setzt sich nieder.

Die Zeit vergeht. Der Ort bleibt still.

Der Mensch schläft nun am Tage.

Weil er zum Schweigen bringen will

Das Nachtleben, die Plage.

Gut, dass der Ort so still ist, weil

dorthin darf niemand gehen.

Im Dunkeln wartet er mit Beil.

Er hofft aufs Wiedersehen.

Wildnis

Auf dem Kinderspielplatz. Vati hat sich auf die Holzumrandung des Sandkastens gesetzt und beobachtet glücklich seinen mit den Ärmchen rudernden Säugling, der im Sand liegt. Ein drahtiger Fremder stört seine Beobachtung.

FREMDER

Ist das da Ihrer?

VATER

(zustimmend) Das ist Paul.

FREMDER

Der kann ja gar nix.

VATER

Wie bitte?

FREMDER

Liegt im Sand und kann kaum den Kopf oben halten. Erbärmlich.

VATER

Hallo? Er ist gerade mal fünf Monate alt!

FREMDER

In der Wildnis wär er keine drei Tage alt geworden.

VATER

Mensch! Was reden Sie denn da?

FREMDER

Sie sollten sich lieber fragen, was Sie da tun: Sie erziehen Ihr Kind zu einer Beute?

VATER

Ach, es liegt an meiner Erziehung, oder was?

FREMDER

Man kann nicht ein Kind in die Welt setzen und dann die Verantwortung von sich weisen.

VATER

Das ist doch Quark!

FREMDER

Das Giraffenjunge wird bereits wenige Minuten nach seiner Geburt von seiner Mutter zum Laufen gezwungen.

VATER

Das kann man doch nicht vergleichen!

FREMDER

Warum? Ist Ihre Frau dümmer als eine Giraffe?

VATER

Werden Sie nicht unverschämt. Es reicht langsam!

FREMDER

Sehen Sie sich die schwächliche Frucht Ihrer Lenden doch an! Wenn sich ein Raubtier mit offenem Rachen auf ihn stürzen würde, dann könnte er nicht einmal den Kopf heben, um seinen Henker zu betrachten!

VATER

Wissen Sie: Raubtiere sind auf Kinderspielplätzen dann doch eher selten.

FREMDER

Es gibt viele Gefahren. Wie lang soll Ihr Kind noch warten? Bis ihm etwas passiert ist?

VATER

Und Sie sind schon als Löwenbändiger auf die Welt gekommen, oder was?

FREMDER

Ich war mal genau so wie Ihr kleiner Schwächling da. Aber widrige Umstände haben mich früh auf eigenen Beinen stehen lassen.

VATER

Ja, wir haben alle so unsere Probleme…

FREMDER

Die Eltern von einem Lastwagen gerissen. Ich musste mich schnell allein behaupten.

VATER

Das ist natürlich traurig. Aber Paul ist trotzdem noch ein Baby! Wenn er in Ihrem Alter ist, dann wird er auch für sich sorgen können.

FREMDER

So schnell soll aus diesem hilflosen Wurm ein überlebensfähiger Krieger werden? Sind Sie sich da sicher?

VATER

Natürlich bin ich mir da sicher.

FREMDER

Was glauben Sie: Wie alt bin ich?

VATER

Weiß ich doch nicht. Mitte, Ende Dreißig. Die Ecke.

FREMDER

Ich bin auf den Tag genau fünf Jahre und drei Wochen alt.

VATER

Was?

FREMDER

Ich sagte doch, dass mich die Umstände früh auf eigenen Beinen haben stehen lassen.

VATER

Quark.

FREMDER

Hier mein Ausweis. Wenn Sie Ihrem Sohn einen Gefallen tun wollen, dann stehen Sie jetzt auf und lassen ihn hier zurück. Sonst lernt er es nie.

VATER

Der ist doch gefälscht…?

FREMDER

Sehen Sie: Er isst Sand! Er beginnt bereits, für sich selber zu sorgen! So hat es bei mir auch begonnen.

Ende.

Elektrischer Dezember.

Jetzt werden wieder jeden Tag Türchen aufgerissen.Fremder Kaufhausweihnachtsmann

will den Nachwuchs küssen.

Geld wird ins Geschäft gebracht,

Waren rausgetragen.

Wenn man Buntpapier drum macht

sind es plötzlich Gaben.

In der Tiefkühltruhe friert

Essen ohne Grenzen.

Kinderaugen werden poliert,

bis sie wieder glänzen.

Mensch bricht zu Verwandtem auf

per Straße, Luft und Schiene.

Jeder sieht, dass er sich freut

pünktlich zum Termine.

Manchen macht der Weihnachtsschmaus

nur mehr schwere Herzen.

Bald sind Weihnacht wieder aus

und die Elektrokerzen.

Treppe

Bilderbogen

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Randnotiz

Lucia

  • Der Garten Eden ist nicht mehr. Aber es schmeckt sehr süß. Blätter fallen und der Teich wächst zu.

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