Auf dem Kinderspielplatz. Vati hat sich auf die Holzumrandung des Sandkastens gesetzt und beobachtet glücklich seinen mit den Ärmchen rudernden Säugling, der im Sand liegt. Ein drahtiger Fremder stört seine Beobachtung.
FREMDER
Ist das da Ihrer?
VATER
(zustimmend) Das ist Paul.
FREMDER
Der kann ja gar nix.
VATER
Wie bitte?
FREMDER
Liegt im Sand und kann kaum den Kopf oben halten. Erbärmlich.
VATER
Hallo? Er ist gerade mal fünf Monate alt!
FREMDER
In der Wildnis wär er keine drei Tage alt geworden.
VATER
Mensch! Was reden Sie denn da?
FREMDER
Sie sollten sich lieber fragen, was Sie da tun: Sie erziehen Ihr Kind zu einer Beute?
VATER
Ach, es liegt an meiner Erziehung, oder was?
FREMDER
Man kann nicht ein Kind in die Welt setzen und dann die Verantwortung von sich weisen.
VATER
Das ist doch Quark!
FREMDER
Das Giraffenjunge wird bereits wenige Minuten nach seiner Geburt von seiner Mutter zum Laufen gezwungen.
VATER
Das kann man doch nicht vergleichen!
FREMDER
Warum? Ist Ihre Frau dümmer als eine Giraffe?
VATER
Werden Sie nicht unverschämt. Es reicht langsam!
FREMDER
Sehen Sie sich die schwächliche Frucht Ihrer Lenden doch an! Wenn sich ein Raubtier mit offenem Rachen auf ihn stürzen würde, dann könnte er nicht einmal den Kopf heben, um seinen Henker zu betrachten!
VATER
Wissen Sie: Raubtiere sind auf Kinderspielplätzen dann doch eher selten.
FREMDER
Es gibt viele Gefahren. Wie lang soll Ihr Kind noch warten? Bis ihm etwas passiert ist?
VATER
Und Sie sind schon als Löwenbändiger auf die Welt gekommen, oder was?
FREMDER
Ich war mal genau so wie Ihr kleiner Schwächling da. Aber widrige Umstände haben mich früh auf eigenen Beinen stehen lassen.
VATER
Ja, wir haben alle so unsere Probleme…
FREMDER
Die Eltern von einem Lastwagen gerissen. Ich musste mich schnell allein behaupten.
VATER
Das ist natürlich traurig. Aber Paul ist trotzdem noch ein Baby! Wenn er in Ihrem Alter ist, dann wird er auch für sich sorgen können.
FREMDER
So schnell soll aus diesem hilflosen Wurm ein überlebensfähiger Krieger werden? Sind Sie sich da sicher?
VATER
Natürlich bin ich mir da sicher.
FREMDER
Was glauben Sie: Wie alt bin ich?
VATER
Weiß ich doch nicht. Mitte, Ende Dreißig. Die Ecke.
FREMDER
Ich bin auf den Tag genau fünf Jahre und drei Wochen alt.
VATER
Was?
FREMDER
Ich sagte doch, dass mich die Umstände früh auf eigenen Beinen haben stehen lassen.
VATER
Quark.
FREMDER
Hier mein Ausweis. Wenn Sie Ihrem Sohn einen Gefallen tun wollen, dann stehen Sie jetzt auf und lassen ihn hier zurück. Sonst lernt er es nie.
VATER
Der ist doch gefälscht…?
FREMDER
Sehen Sie: Er isst Sand! Er beginnt bereits, für sich selber zu sorgen! So hat es bei mir auch begonnen.
Ende.
Seid gegrüßt…,
Im Leben eines Katers kommt irgendwann der Tag wo er sich entscheiden muß. Die Natur ruft ihn, sozusagen zurück an ihren Busen.
Drum hab ich mich auf die Suche gemacht, in die Tiefen und Abgründe der menschlichen Seele.
Der Partnersuche. (Oder auch die…, Partners…, also…, ne?)
Ich war sehr lange unterwegs…, denn ich bin halt kein Kater für eine Na…, aber lassen wir das und kommen zum Wesentlichen.
Guten Tag, Man…, ähm Cat Man ich hatte einen Termin, ich bin hier weil ich suche eine neue Partnerin…
Nein!? Na saaaaaaach mal an! Und da sind wir beiden Hübschen uns auch erst mal ganz sicher, daß es eine Partnerrrin sein soll?
Bitte…?
´nu drehen sie mal nich gleich durch, man wird ja wohl noch mal ein Scherzchen machen dürfen…
Schauen wir mal…, Kitmenn ja?
Cat…, Man, vorne mit C…, also…, ganz v…
…Cettmähn, Torsten ja?
Nein…, einfach nur Cat vorne…, geboren…,
Ja daß Sie nicht mit der Post gekommen sind konnt ich mir nu fast vorstellen…, hähä
Hier haben wir sie. Sportlich, dymamisch, humorvoll, gutaussehend…,
ähm sind damit jetzt sie oder die Partnerin gemei…
Nee das war jetzt schon eher die Partnerin…
Gut…!
Wollt auch schon sagen, gutaussehend…
So, was bringen sie denn so mit in die Partnerschaft?
Na ich bin ziemlich lustig. Soll ich mal ´n Witz erzählen? Kommt ein Mann mit einem Frosch auf dem Kopf zum Arzt…
Na also damit kriegen sie nich` mal mehr mich vor dem Ofen vor. Und das ist sonst nicht schwer. Und mal abgesehen davon, so wie sie aussehen erregen sie wahrscheinlich grad mal eine Blasenkröte.., und auch das ist wirklich nicht schwer.
Was wissen sie denn von Blasenkröten…? So wie sie aussehen wohl eher vom Kröten blasen…, hehehehehe
Pfffff, na ihnen ist wohl der Käfig zu eng geworden was..?! Aus welchem Labor sind sie denn überhaupt ausgebrochen, Sie Heini…?!!!
Damit traf Es mich natürlich tief. Vergangenes strömte in meine Gedanken. Böses…, Menschliches…
Ich mußte leider meine Suche temporär entzweien. Manche Sachen sind dann wirklich ein bisschen…, also ich meine, ich bin ja auch nur ne Katze. Und da kommt da so ein …, Ding daher und…
Aber ich will ja nicht klagen.
Berlin, Prenzlauer Berg. Ein Künstlercafè.
Der Regisseur wartet auf die Schauspielerin. Sie kommt.
Beide mustern sich: Sie begegnen sich zum ersten Mal. Bussi-Bussi als Hallo.
SCHAUSPIELERIN
Wir sind verabredet, oder? Ich weiß, ich bin zehn Minuten zu spät.
REGISSEUR
Zwanzig. Aber bin auch nicht so der Uhrenfetischist.
SCHAUSPIELERIN
Ich war schon in der Tür. Und genau dann ruft mich der Walter auf Festnetz an. Der Walter ist ein Regisseur, mit dem ich gearbeitet habe.
REGISSEUR
Ich hab nachher noch ein Gespräch mit einer anderen Schauspielerin. Ist aber kein Problem.
SCHAUSPIELERIN
Hast du unseren Film vielleicht mal gesehen? Bye, bye, Beirut. Zwei Schwestern aus Beirut. Da war ich die jüngere.
REGISSEUR
Ja,ja. Ich meine, ich hab den… aber ich guck generell nicht so viele…wenn man weiß, was Film kann, dann ist man doch relativ häufig enttäuscht.
SCHAUSPIELERIN
Aber es ist doch seltsam: Den Walter habe ich seit Bye, bye, Beirut nicht gesprochen. Und er ruft genau dann an, wenn ich mich mit dir treffe!
REGISSEUR
Ja, ja, das ist schon so was. – Was trinkst du?
SCHAUSPIELERIN
Jetzt wär ein Yogi-Tee ok.
REGISSEUR
(ruft zum Tresen) Steffi? Machst Du uns mal einen Yogi-Tee. Und mir wie immer. Latte. Und tust du mir ein Leitungswasser dazu. Wie immer.
SCHAUSPIELERIN
Was mich interessiert: Wie kamst du auf mich? Hast du einen bestimmten Typ gesucht?
REGISSEUR
Typen interessieren mich überhaupt nicht. Das sage ich Dir gleich: Mir geht es in meiner Arbeit generell um Authentizität. Nicht um Typen.
SCHAUSPIELERIN
Ich lasse mich auch nicht auf einen Typ festlegen. Vielleicht hast du gesehen: Ich habe hier in Berlin Tschechow gespielt. Drei Schwestern. Da war ich die Olga. Ganz anderer Typ als in Beirut.
REGISSEUR
Ja, ja. Olga! Ich meine, ich hab da eine Inszenierung im Hinterhof-Theater…
SCHAUSPIELERIN
Du meinst wahrscheinlich: Hinterhaus-Theater. Da war ich auch mal. Aber nicht mit Tschechow.
REGISSEUR
Hinterhaus, ja. Nee, das kenn ich gar nicht.
SCHAUSPIELERIN
Oder hat mich irgendwer empfohlen? Walter sicher nicht. Der hat ein Problem, wenn ich mit anderen arbeite. Jetzt erzähl von deinem Projekt. Das klang in der Mail schon sehr interessant.
REGISSEUR
Hilf mir mal: was hatte ich Dir da schon …?
SCHAUSPIELERIN
Du hattest geschrieben, dass Du für ein neues Projekt noch eine Schauspielerin suchst.
REGISSEUR
Das ist in ungefähr auch so der Stand der Dinge.
SCHAUSPIELERIN
Klingt spannend. Und wenn mich eine Sache nicht gleich irgendwie packt, dann lass ich es auch.
REGISSEUR
Jetzt ist natürlich die Frage: Hättest du denn Zeit? Oder hast du gerade ein Projekt?
SCHAUSPIELERIN
Zurzeit kommt wieder irgendwie alles auf einmal.
REGISSEUR
Und wie konkret bist du da schon?
SCHAUSPIELERIN
Ich lese gerade ein Exposè. Die wollen mich auch. Aber ich halte mir die Optionen noch offen.
REGISSEUR
Ja, ja. Muß man auch. Ich hab gerade auch noch ein anderes Projekt in der Planungsphase.
SCHAUSPIELERIN
Und suchst du da auch noch?
REGISSEUR
Kann sogar sein, dass ich das vorziehen muss, weil es ganz schnell konkret wird. Ich hab mich da gestern schon mit dem Kameramann getroffen. Und der kann aber nicht.
SCHAUSPIELERIN
Schade.
Ende Teil 1.
Lesen Sie morgen im zweiten und letzten Teil:
Wie konkret wird die Zusammenarbeit zwischen Yogi-Tee und Latte?
Findet sich eine eine authentische Rolle (zum Beispiel als Schwester) für die Schauspielerin?
Und welche Projekte könnten dem Happy-End noch dazwischenkommen?
Eine menschenleere Straße. Ein paar wenige geparkte Autos. In den Pfützen des jüngsten Regengusses spiegeln sich die Fenster der umliegenden Häuser. Manche sind erleuchtet; einmal ist die Silhouette eines Körpers zu sehen. Eine Katze flieht unter Protestgeschrei von einer Mauer.
Drinnen: Ein in rotem Plüsch gehaltener Nachtclub. Eine Bar im Hintergrund. Die Barhocker sind bereits hochgestellt. Ein müder Barmixer spült die letzten Gläser.
Eine Tanzfläche in der Mitte. Sie ist leergefegt.
Um die Tanzfläche Cafehaustische, Stühle und Tischtelephone. Neben jedem Telefon ein Tischständer mit der Nummer des jeweiligen Tisches.
Nur zwei Tische sind besetzt: Am letzten Tisch vor der Rückwand des Nachtclubs schläft eine verlassene Frau. Sie hat den Kopf auf die Arme gelegt. Hinter der Frau an der Wand ein Bild: Pan mit der Flöte.
Ein alleinstehender, allein sitzender Mann sitzt am vordersten Tisch und fixiert die schlafende Frau quer durch den Raum.
Neben der Tanzfläche ein echter, wahrhafter Entertainer – genau so, wie Du ihn Dir in solch einem Etablissement vorstellst.
Danke, Sie sind ein ganz wunderbares Publikum, das ist ein ganz wunderbarer Abend. Liebe Freunde: Die Liebe ist das Wunder des Lebens. Und wer weiß, ob nicht jetzt und hier, an diesem ganz wunderbaren Ort , die Liebe zu uns kommt. Für alle die, die noch an solche Wunder glauben, spielen wir jetzt mein ganz persönliches Lieblingslied.
Er beginnt zu einem Playback zu singen – genau die Musik, die Du Dir in solch einem Etablissement…Du weißt schon.
Plötzlich greift der allein sitzende Mann zum Telefon. Im Moment der Hörerabnahme verstummt die Musik schlagartig.
Der Mann wählt eine Nummer. Am Tisch der Frau klingelt das Telefon. Die Frau schreckt auf, ist für einen Moment orientierungslos und greift dann zum Hörer.
Na, Liebchen?! Jetzt rate doch mal, wer Dich hier anruft!
Das Bild hinter der Frau löst sich und schaukelt, an einem Haken hängend, hin und her. Und das ist
Das Ende.
Habe mich gestern den ganzen Tag zerrissen gefühlt. Keine Einheit, kein ganzer Kerl, gespaltene Persönlichkeit. Saß im Café und grübelte für Stunden. Woran liegt das?
Abends dann die Erkenntnis. Hatte einfach meinen Stringtanga falsch herum angezogen.
Merken: Nicht alles hat psychologische Gründe.