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Genre : Briefe

Wegen Nicht-Dasein verhindert

Mein liebes Katerchen,

ich bin sehr traurig. Du hast es vielleicht schon gehört, ich konnte am Freitag leider nicht kommen um deinen Freund Oliver Wellmann zu sehen. Wie du ja weißt bin ich “hier unten” und kann immer nur bedingt in die Heimat ziehen. Meist habe ich einen Mitfahrer, der jedoch wollte an diesem Wochenende nicht so wie ich wollte. Und mein Ersatz (die Mama) zog es vor kzH zu sein.
Ich bin wirklich untröstlich und bitte dich mir zu berichten, wie die Vorstellung gelaufen ist. Bestimmt waren alle begeistert und die Stimmung fabelhaft!
Sag doch deinem Menschenfreund auch einmal, er soll sich in den Westen wagen, dann muss ich nicht so umständlich hoch fahren. Hier gibt es zwar nichts Neues – wie üblich – aber das Publikum ist immer dankbar für jeden Schabernack.

Für alle Freikarten-Gewinner: Wie hats Euch denn gefallen?? Berichtet mal!

Alles Gute liebes Katerchen
Deine Therese

Stinker

Liebe Therese,

vielen lieben Dank für die Zuwendung. (Es wäre nett, wenn du der Milch beim nächsten Mal einen Liter Kaffee beimengen würdest…)

So, aber nu´zu Dir!

In Schöneiche gibt es also eine Großmülldeponie. Sollte also vielleicht eher Schön Leiche heißen. Also was mir immer sofort dabei einfällt, ist die Frage nach dem finanziellen Nutzen. Also wer verdient wieviel daran. Es hilft da immer ganz gut sich die Zeit zu nehmen, um heraus zu finden wer an den höchsten Stellen der Firmen sitzt, wie die am Bau beteiligten Firmen und Personen miteinander in Beziehung stehen und wer Vorteile davon hat, wenn so ein Riesenprojekt zweimal gebaut wird. Die Frage ist also: “Haben sie es nicht vorher gewußt?”

Politik ist Stammtischwirtschaft und Hochfinanz wird beim Treffen im Bordell geregelt. Menschen sind dabei nur ein notwendiges Übel. Kollateralschaden. Ihr seid halt notwendig um die Marktwirtschaft aufrecht zu erhalten.., noch.

Aber wie es so läuft, oder laufen kann, beschreibst du ja schon ganz gut. Nur das mit dem Absetzen passiert erst, wenn der Haftbefehl draußen ist und das kann dauern.

Und das Absetzen als solches ist ja nun auch nicht mehr so einfach. Also ich bin ja irgendwann, als mich mal wieder ein “aufmerksamer Bürger” im Tierheim abgegeben hat, gechipt worden. RFID, wir sprachen schon mal darüber. Tja und du müßtest warscheinlich nackt im Lendenschurz fliehen, ohne Ausweis, Führerschein, Kreditkarte, Krankenkassenkarte usw…

Ansonsten gibt es keinen Ort auf dieser Welt mehr, an dem man unentdeckt bleiben kann. Höchstens schlecht zugänglich. “The Satelite is watching you!”, oder wie das heißt. Die Sache mit der Freiheit hätte sich also schon mal erledigt.

Bleibt am Ende eben leider doch wieder nur der Gedanke…

Sei jedrückt

Catman

Postpost

Liebe Therese,

was um alles in der Welt findet genau statt, wenn man in der Disco “mosht“?! Ich denke es wird Zeit für ein Video…, von dir…, beim moshen.

“Mädels bringen einen ins Gefängnis”, sagt der Onkel vom Klinikblättchen. So ein Quatsch, Sie haben schon wieder mal keine Ahnung Wagner!

Mädels bringen einen ins Grab, das weiß doch nu wirklich jeder, der schon mal eins hatte. Aber da sind wir uns bei dir ja sowieso nicht so ganz einig, nich wahr, Franzel?

Ich frage mich eigentlich vor allem, wann sich der Marco jetzt dann doch als RTL Reporter outet. Verdeckte Mission – Code Name “Midnight Express”.

Hatte der eigentlich ein Haarteil bei dem Interview, oder ist das schon vorher gedreht worden?

Und kann sich der Marco die Studentenverbindung jetzt frei aussuchen?

Fragen über Fragen, die zu stellen sich eigentlich nicht lohnt.

Vielleicht fragen wir mal Wagner.

Sie haben Post …

Liebes Katerchen,

ich stelle mir vor ich bin wieder 17 und der Typ, den ich neulich in der Disko getroffen habe, klingelt wie verabredet an meiner Tür. Wir wollen ins Kino gehen.
Als ich öffne, steht vor mir der Kerl, der in der Disko mit Saxon-T-Shirt wild gemosht hat, in Anzug und Krawatte. Blumenstrauß vom Aldi für meine Mutter, Süßigkeiten für mich.
Er fragt, ob er kurz reinkommen darf, meine Eltern kennen lernen. Ich schaue ihn blöd an und bitte ihn dann rein.
Meine Eltern hocken vor dem Fernseher, freuen sich auf ihren kindfreien Abend, als ich mit dem Typ im Schlepptau nochmal ins Wohnzimmer komme.
Ich: Liebe Eltern? Das hier ist Marko, wir gehen ins Kino. (ich drehe mich um, will gleich wieder gehen)
Mum: Hallo Marko (Sie schauen ihn ganz komisch an)
Marko: Guten Tag, nett Sie kennen zu lernen. Ich hab (er räuspert sich und schaut zu Boden) Blumen für Sie Frau Katze.
Mum: (Sie wird leicht rot und schaut irritiert) Oh vielen Dank. Du willst aber mit meiner Tochter ausgehen und nicht mit mir oder?
(alle kichern dümmlich)
Marko: (räuspert sich, nickt, schaut zu Boden) Jaja (wird knallrot) natürlich.
Paps: (guckt uns fragend an) Wenn ihr noch Zeit habt, setzt euch doch, bleibt da nicht so angewurzelt stehen.
(Wir setzen uns aufs Sofa)
Paps: Willst du was trinken Marko? Cola? Bier?
Marko: Danke, danke, kein Bier. Vielleicht haben Sie etwas Wasser?
(meine Eltern schauen mich an, Marko schaut zu Boden)
Ich: Ja, warte ich hol dir was. (wieso können wir nicht einfach gehen …)

Im Fernsehen läuft die 18-Uhr-Wochenschau.

Paps: Also die Merkel hats ja innenpolitisch überhaupt nicht drauf. Was meinst du dazu Marko? (er schaut ihn interessiert an)
Marko: (nickt, schaut zu Boden) Och ja, also ich finde Geschichtsunterricht immer ganz spannend (räuspert sich) Ihr Auto hab ich draußen gesehen. Das ist ja ein ganz toller Wagen.
Paps: (guckt komisch) Ja … ein Fiat Panda .. gebraucht gekauft.
(Betretenes Schweigen als ich wieder rein komme mit einem Glas Wasser)
Marko: (räuspert sich wieder, ich gebe das Glas in seine offene Hand, er schaut mich nicht an) Danke, danke.
(betretenes Schweigen)
Mum: Und was machst du so Marko?
Marko: (schaut zu Boden beim Reden) Ich geh noch zur Schule .. 11. Klasse. (räuspert sich) Ihr Garten ist sehr schön. Wunderbar angelegt und so schöne Blumen haben Sie.
Mum: (schaut auf ihren Aldi-Strauß und fragt sich was der Junge von Blumen versteht) Danke sehr …
(Mum steht auf um für die Blumen eine Vase zu besorgen)
(Marko steht ebenfalls auf)
Ich: (erleichtert) Sollen wir gehen?
Marko: Äh ich äh … ja gut, wenn du willst.
Ich: Naja ich dachte weil du aufstehst …
Marko: Achso, nein, das war nur wegen deiner Mutter. (diese dreht sich wieder um, hebt fragend die Augenbrauen)
Ich: Hä?
Marko: (schaut zu Boden) Ach nichts. Wir können gehen, wenn du willst.

Meine Mum verschwindet mit irritiertem Blick in der Küche, kommt kurz darauf wieder – ohne Blumen.
Mein Vater schaut mich mit einem vielsagenden Blick an, der mich fragen soll, ob ich tatsächlich mit diesem Jungen ausgehen will.
Ich hebe unschlüssig die Schultern und nicke ganz leicht.

Ich: Tschüß Papa, tschüß Mama.
Marko: Auf Wiedersehen Herr und Frau Katze. Danke für das Wasser.
Meine Eltern: Äh ja, gerne doch. Viel Spaß im Kino.
Marko: (er nickt) Danke, danke.
(ich schiebe ihn fast gewaltsam zur Tür und raus auf die Straße)

Draußen frage ich ihn was das für ein bescheuerter Auftritt war. Er sieht mich mit hochrotem Gesicht an und zeigt mir einen Brief, den er zusammengefaltet in der Tasche hatte. Sieht aus wie mehrmals gelesen, fast wie studiert.

Briefvonwagner

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Naja … nicht jeder Brief ist eine Erleuchtung.
Deine Therese

Therese !!!???

Um Gottes willen was soll das heißen, du bist in der Welt unterwegs? Muß ich mir Sorgen machen? Haben sie dich vielleicht abgeholt und einfach über Guantanamo abgeworfen? Unterziehen sich dich der peinlichen Befragung? Mußt du in einer Zelle, zusammen mit fünf Terroristen, moslemischer Herkunft, angekettet an ein Etagenbett, mit einer lustig bemalten Papiertüte überm Kopf, die sadistischen Spielchen der lesbischen Soldatinnen erdulden?

Wenn du nicht sprechen kannst gib uns ein Zeichen. Wir holen dich da raus.

Oder bist du vielleicht einer Sekte anheim gefallen? Bist du auf einem, mit Stacheldraht, Elektrozaun und Wachtürmen abgeriegelten Areal, mußtest deine persönlichen Dinge zum Wohle der Gemeinschaft abgeben und arbeitest jetzt, nur mit einem Kartoffelsack bekleidet, entweder auf dem Feld, oder in der Waffenproduktion? Mußt du täglich, bitter schmeckende, Medizin nehmen? Und mußt du, bevor in Kürze der Weltuntergang stattfindet, dem Meister noch ein Kind schenken?

Sag bescheid, wir holen dich da raus.

Dein Catman (Rambo XXXIV)

Neuangfangslosigkeiten

Meine Güte Therese,

was soll ich dir sagen. Geteert und gefedert haben sie dein Katerchen davon gejagt.

Wie du ja weißt, und auch der geneigte Teutonika Leser, bin ich…, nein war ich, Leiter eines Jugendkatzenfreizeitheims, in einem kleinen Städtchen, auf dem Gebiet der ehemaligen Doofmacher & Dummbacken Replic.

Na und was ich von Anfang an wollte, nämlich den jungen Katzen da Eigenverantwortung beizubringen, ist mir nun zum Verhängnis geworden. Denn leider haben die jungen Katzen ja auch Alte. Also Eltern, wenn man das so nennen darf.

Tja und die haben nun vor allem ein Problem. Um Gottes Willen keine Veränderung und schon gar nicht und niemals selber machen. Wenn es eins gibt was die verkrusteten Strukturen nicht vertragen, dann ist es die Wahrheit. Nicht nur das “man” sie nicht sehen will, nein, alles wird dafür getan sie weg zu machen. Zur Not mit Gewalt.

“Wir wollen doch gar nicht, daß unsere Kinder erwachsen werden, weil dann müssten wir es selbst auch tun.”

Wie schrecklich wäre es doch, wenn Katze nichts mehr zu jammern hätte. Wenn niemand mehr da wäre dem die Schuld in die Schuhe zu schieben wäre. Wenn Eigeninitiative eine Notwendigkeit wäre, die ich genauso annehme wie das Tägliche: “Es ist halt so, es war schon immer so, was sollen wir denn daran ändern. Die da oben machen doch sowieso was sie wollen, und wir armen Arbeitskatzen müssen alles ausbaden.” Widerlich.

Das Spannende dabei ist ja nur, daß in einem Städtchen, in dem weniger als 3000 Katzen leben, “Die da oben” auch die Nachbarn sind. Sie sitzen nicht, wie in Berlin in einer überdimensionalen Waschmaschine, die von Übriggebliebenen mit Maschinenpistolen bewacht werden. Sie sind auch nicht unerreichbar, denn sie sind ja Teil der Gemeinde und laufen einem jeden Tag über den Weg. Aber wenn Veränderung stattfinden soll, dann müßte Katze ja den Mund aufmachen, müßte Dinge sagen die vielleicht nicht jedem gefallen. Und dann könnten ja die Nachbarn reden, dann könnte ja ein schlechtes Licht auf mich geworfen werden, denn unterschätze niemals die Macht der Nachbarn.

Also hält Katze die Schnauze. Läßt sich alles gefallen, was “Die da oben” sich so einfallen lassen, abends, zwischen Arbeit und schlafen gehen.

“Du bist hier auf dem Land, da ist alles anders”, haben sie immer zu mir gesagt. Stimmt, da ist alles anders. Denn während die Welt voranschreitet, während der geplante Untergang seinen Lauf nimmt und eine Katastrophe nach der anderen durch die Nachrichten läuft, tun wir auf dem Land alles, aber auch alles, um dies nicht zur Kenntnis zur nehmen. Und eben wenn es sein muß, mit Gewalt.

Tja, liebe Therese, nun mußte dein Katerchen seinen geliebten Platz hinter den Mülltonnen verlassen und ist wieder losgezogen, in die große Stadt. Ich schreibe dir wenn ich angekommen bin.

Wollen doch mal sehen, ob es da wirklich anders ist.

Bis gleich,

dein Catman

Das Geständnis

Meine liebe Z.,

diesen Brief hätte ich Dir schon viel eher schreiben sollen.

Wir verkehren bereits recht lang, und ich habe Dich als einen ehrlichen und offenen Menschen schätzen gelernt.

Doch ich war all die Jahre nicht ehrlich zu Dir. Ja, ich vermute, dass Du nicht mal den Hauch einer Ahnung von dem dunklen Handeln hast, mit dem ich unser Verhältnis besudele.

Ich kann nun nicht mehr länger schweigen.

Ich komme aus Dänemark. Und ich verstehe kein Wort Deutsch. Alles, was ich je gesagt habe, war auswendig gelerntes Zeug. Ich habe es wiederholt, ohne zu wissen, was ich da sage.

Sollte ich Dir also in unseren Gesprächen etwas versprochen, meine Liebe gestanden, Unrecht getan, Dich beleidigt oder sonst wie behandelt haben, habe ich das ohne mein Wissen getan.

Ich hatte und habe nie eine Ahnung, was das bedeutet, was ich da von mir gebe. Auch jetzt nicht. Darum schließe ich nun auch. Bringt ja nix.

Verzeih.

Dein C.

Über Kuscheltiger

Liebes Katerchen,

du hast natürlich recht. Leben und sterben lassen heißt die Devise, nicht wahr?
Aber immer kann ich nicht weg sehen, ab und zu geht meine impulsive Ader mit mir durch. Da hoffe ich auf einen Schub der Einsicht, des Erkennens der eigenen Unzulänglichkeiten. Jedoch stoße ich – erwartungsgemäß – an kalte Wände und hohle Köpfe.
Man kann nicht sagen, dass ich enttäuscht bin. Viel eher ist es so, dass mich eine Antwort oder ein positiver Wendepunkt weit mehr überraschen würden. Dennoch kennst du das bestimmt: Einige Dinge muss man einfach los werden, auch wenn es eher zum Ritus degradiert wird, denn zur Ernsthaftigkeit. Ich kann morgens nicht aufstehen, ohne mich richtig ordentlich zu recken und zu strecken, einen kräftigen, herzhaften und lauten Gähner von mir zu geben und so den Tag auf meine spezielle Art zu begrüßen.
Und genauso wenig kann ich ignorieren, wenn ich ein Blatt Papier sehe (resp. weiße HTML-Seite mit schwarzer Schriftculör) auf dem in schwarzen Lettern gequirltes Braunes steht.
Da macht es Zappzarapp und mir wachsen Hörner, ich stoße dann vor, versuche einen Hintern zu treffen oder wenigstens eine Wade, damit es sticht und schmerzt und der Andere lange daran zehren kann.
Das würde natürlich ein gewisses Interesse oder eine moralisch verwertbare Geisteshaltung implizieren, die meist verzweifelt gesucht werden darf. Aber sind die Hörner erstmal draußen, gibt es kein Zurück.
Bestimmt kennst du das.
Eigentlich bist du ein Raubtiger. Ein kleiner zwar (abgesehen von der inneren Größe natürlich), aber du stammst von ganz großen und gefährlichen Nicht-Knuts ab. Und sicherlich gibt es Momente, da du es nicht verleugnen kannst, wenn es einmal mit dir durch geht.

Jens Jessen schiebe ich neuerdings übrigens auch in die Kategorie “Kuscheltiger”. Einer der auch mal auf den Putz haut wenn ihm was nicht passt und ansonsten normaler Kuschler ist wie alle anderen Katzenarten.
Dass auf solche Sätze – wie der Kuscheltiger sie in den Äther schickt – ein FJW direkt drauf anspringt war mir im Übrigen völlig klar, dafür ist er genau der, der er eben ist. Alles andere hätte mich schockiert und an Zensur denken lassen.

Harren wir also der Dinge und wenden uns vielleicht einmal weg von den Markos und hin zu wirklich interessanten Dingen.
Wort des Jahres 2008 könnte “Migrationhintergrundsjugendlicher” werden.

Deine Therese

Treppe

Bilderbogen

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Randnotiz

Lucia

  • Der Garten Eden ist nicht mehr. Aber es schmeckt sehr süß. Blätter fallen und der Teich wächst zu.

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