Wiener Pietäten

In meiner Zeit in der Friedhofsbranche, da habe ich ja sehr viele meiner Kolleginnen und Kollegen kennengelernt. Zum Beispiel auf den gemeinsamen Bildungsreisen zum Toten Meer. Bei den Bestattungsunternehmern – da waren ja welche dabei. Was sich da so mancher ausdachte.

Hat sich einer die Idee patentieren lassen, Särge aus Presspappe herzustellen, ökologisch abbaubar. Hat er sich wohl gedacht: Gibt es die Pommes-Frittes-Schale zum Mitessen, mache ich so etwas Ähnliches für die Friedhofswürmchen.

Hab ich mir gedacht: Presspappe drumherum, totes Fleisch in der Mitte? Gibt es doch schon: Heißt McRib.

Gut – das ist noch blöd. Aber wenn dann ein Schauspieler so beerdigt wird, ist das der neue McBeth. Funktioniert nur geschrieben, das Wortspiel.
Hab ich dann auch am Toten Meer mit einer leeren Weinflasche so in den Sand geschrieben. Fanden die anderen aber nicht gut. Aber ich war so schön in Schwung – ich hatte die Weinflasche auch allein geleert – und stellte gleich noch die Theorie auf, dass der Tod einen Wiener Akzent hat. Und zwar aus psychologischen Gründen, damit die Leute die Angst vor ihm verlieren:

DER TOD (mit schwerem österreichischen Akzent)

Klopf, Klopf.

DER STERBENDE (in Panik)

Oh nein, oh mein Gott, lass mich doch in Frieden sterben…wer ist denn da?

DER TOD

Schauens doch selbst, i bin a Knochngrüst, i hab eine Sense – werd i wohl der Tod sein.

DER STERBENDE (vollkommen erleichtert)

Na, Gottseidank! Kommen Sie doch bitte rein. Ich hatte im ersten Moment nur Angst, Sie sind der Andre Heller.“

Das fanden die Kolleginnen und Kollegen dann aber geschlossen pietätlos. Die alten Schwarzarbeiter, die sollen mir noch mal was von Pietät erzählen. Neulich habe ich erfahren, dass einer meiner pietätvollen Kollegen, der vorher auf Urnenbegräbnisse spezialisiert war, in die Lebensmittelbranche gewechselt ist und da als erstes die Fünf-Minuten-Terrine erfunden hat.

Ist das etwa geschmackvoll?

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