Offener Brief zum G8-Gipfel

Liebe Freundinnen und Freunde,

sicherlich habt Ihr schon von der gegenwärtigen und offiziellen Praxis der deutschen Polizei gehört, im Vorfeld des G8-Gipfels Geruchsproben von potentiellen Gipfel-Gegnern zu nehmen, um sie dann während des Gipfels und auf Gegendemonstrationen durch Polizeihunde besser stellen zu können. Getreu dem Motto:

Wer Gegner ist vom Gipfel
das riechen wir am Zipfel
Bei Frauen, den zipfellosen
am Oeuvre ihrer Dosen.

Nun ist der allgemeine Tenor auf diese Bekanntmachung der eines spontanen, nahezu hysterischen Entsetzens. Eine dezidierte Auseinandersetzung mit der augenscheinlichen Notwendigkeit dieser Maßnahmen findet nahezu nicht statt.

Ich frage: Ja, ist denn wirklich gleich die Demokratie in Gefahr, nur weil uns Hasso, der reine Schäfer, gut riechen kann?

Zudem werden die Gerüche nur bis zum Ende des Gipfels archiviert. Danach wird jedem Polizeihund bei Fuß befohlen, den Geruch augenblicklich zu vergessen.

Zum letzten und zum wichtigsten sind wir die Gastgeber des G8-Gipfels. Und mir ist das Wohl des Gastes heilig. Heilige Gastfreundschaft in Heiligendamm.

Drum sage ich: Ich mache mit! Ich rieche gern! ich sage Ja zu deutschen Schnüffelnasen! Lasst uns gemeinsam der Polizei die Hände reichen. Lasst uns unser Scherflein dazu beitragen, dass der G8-Gipfel als Gipfel der Gastfreundschaft in Erinnerung bleibt. Lasst uns helfen.

Und helfen ist so einfach.

Wir müssen alle einfach nur stärker riechen als sonst. Helft den Hunden und den Polizisten! Duscht nicht, bis der Gipfel kommt! Lasst uns Heiligendamm unseren solidarischen Geruchsstempel aufdrücken!

Und das ist noch nicht alles, was wir aufrecht und demokratisch beisteuern können. Wenn helfen, dann richtig! Wenn Geruch, dann überwältigend! Eingekackt und vollgestrullt sind wir am leichtesten erkennbar. Und so wollen wir unseren Freund, den naseweisen Exekutiven, umarmen und ein Zeichen der olfaktorischen Übereinkunft setzen.

Drum, Bürger, zeig nun Dein Gewissen
steh stolz am Zaun und vollgeschissen.

“Seht, liebe Polizei,” werden wir rufen: “Mehr riechen können wir wirklich nicht! Mehr war einfach nicht drin!”
Ich weiß, dass es einen Moment der Überwindung kostet. Aber ist uns lebendige Demokratie wirklich nicht einmal eine Jeans wert? Und sicher erreicht mein Botschaft nicht jeden. Aber auch wenn wir nur ein kleines, kräftiges Grüpplein von aufrechten Scheißkerlen und unbeirrbaren Pissnelken sein werden – die Freie Welt hat durch uns schon viel gewonnen.

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