Berlin, wunderwarm.

Ist aber auch ein Superwetter, sagte das Pädagogengesicht beim Vorbeigehen. Hoffte ich. Aber da stand es auch schon neben mir. Hatten wir im April noch nie. So ein Wetter, wo man sich einfach mal in die Sonne stellen kann. Sein Wetterrückblick war zustimmend, und ich schwieg einvernehmlich. Doch das Pädagogengesicht hatte eine klare Meinung zum Sprechen: Einer muss den Job ja machen. Also tat er es dienstbeflissen weiter. Ist ja auch herrlich. In der Sonne stehen.

Und Du stehst hier einfach so? fragte er mich und gab sich, weil er nicht so lange warten wollte, mit einem Na ja, wieso auch nicht, meine Antwort selbst. Man macht das ja auch viel zu selten. Einfach stehen bleiben, Sonne genießen und gut ist. Dann wird einem mal wieder bewusst: mehr braucht man doch eigentlich nicht.

Wir schwiegen beide. Ich, weil ich das angenehmer fand. Er, weil er es auch mal ausprobieren wollte.

Leider gefiel es ihm nicht.

Du stehst hier also einfach so. Find ich gut. Wenn Du nix dagegen hast…, sprach das Gesicht und verlagerte den Standpunkt, um anzuzeigen, dass es soeben vom flüchtigen Innehalten in die dauernde Standbleibe gewechselt war. Es holte Luft. Bald würde ich alles darüber erfahren, warum es sonst so selten zum einfachen Stehen kommt.

Es wurde Zeit.

Ich danke Dir! entgegnete ich und ergriff die passive Pädagogenhand. Ich danke Dir, dass Du mich von meinem Elend erlöst hast! Die böse Hexe des Ostens hat mich mit einem Fluch belegt, als ich ihr drei Mal hintereinander im Penny-Markt den letzten Einkaufskorb vor der Nase weggeschnappt habe. Nun musste ich hier einfach so stehen, bis ein reines Herz dazukommt und meinen Platz einnimmt. Nun bin ich frei! Frei! FREI!

Mit diesen Worten lief ich wild lachend davon.

Wenn Du magst, dann geh doch mal schauen, ob das Pädagogengesicht noch da steht: Senefelderstraße, Ecke Raumerstraße.

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