Warum Gesellschaften überleben oder untergehen

Wenn die Zeitung mit den großen Lettern die Klimakatastrophe und den Untergang der Welt ausruft, dann weiß man, dass alles zu spät ist und vor allem ein Thema wieder ebenso schnell verschwindet, weil die nächste mediale Sau durchs Dorf respektive die Republik getrieben wird. „Der Milde Winter – kommt jetzt die Klimakatastrophe?“ so der heurige Titel, „Schneemassen – kommt jetzt die neue Eiszeit?“ so wurde im letzten Jahr getitelt. Es soll nichts verharmlost werden, aber die aktuelle Panikmache bringt genauso wenig. Und deshalb sei ein Buch empfohlen, das durchaus auf die Dringlichkeit und die Gefahren der Problematik eingeht, ohne dabei gleich Weltuntergangsszenarien zu entwickeln.

kollaps.jpgDer amerikanische Professor für Geographie Jared Diamond hat in seinem Buch „Kollaps“ mehrere Gesellschaften der Vergangenheit und der Gegenwart und die Ursachen ihres Erfolges oder ihres Unterganges untersucht. Ein opulentes Werk ist dabei herausgekommen, das gleichzeitig mehrere Forschungsbereiche in sich vereint: Geschichtsschreibung, Klimaforschung, Soziologie, Geographie und Umweltforschung. Es ist eine faszinierende Reise über die Welt, die uns vergangene Zeiten und Kulturen, aber auch den Spiegel der Gegenwart nahe bringt. Und im letzten Drittel werden praktische Lehren für unser Handeln von Heute gegeben. Ein Grundmuster entdeckt Jared Diamond jedoch schon im Umgang mit den natürlichen Ressourcen, der entscheidend für Erfolg oder Misserfolg für das Bestehen von Gesellschaften ist. Ganz banal beginnt die Reise in Montana, wo aber schon die ersten Zusammenhänge erklärt werden und man sich immer tiefer einlesen kann. Es sind die Welten der Osterinsel, der Maya, der Wikinger und Grönland und einige mehr, die uns auf dieser Reise durch die Menschheitsgeschichte begegnen. Diesen werden moderne Gesellschaften, wie die ruandische, die chinesische oder die australische entgegengestellt. Es wäre jetzt natürlich schlechte und überhaupt nicht klassische Dialektik, wenn man sozusagen die Praktische Lehren, als Synthese des Buches darstellen würde, dennoch sind es aber zumindest die Ergebnisse der vorangegangenen Analysen.

Es ist viel zu tun, jedoch blinder Aktionismus und Endzeitszenarien helfen auch nicht weiter. Doch wir können froh sein, dass die Zeitung mit den großen Buchstaben die Lösung gefunden hat. Einfach `nen Aufkleber, dass man die Welt rettet, auf das Auto gepappt und munter weitergefahren. Dann doch lieber etwas Sitzfleisch – denn „Kollaps“ liest man doch nicht mal so in zwei Tagen weg – und sich seriöser über die Zusammenhänge unserer Welt zu informieren und gleichzeitig eine gedankliche Weltreise unternehmen.

Bernhard Meyer

Meyer & Meyer

Meyer & Meyer

Bernhard Meyer 34 Jahre Buchhändler Zur Zeit Wanderer in verschiedenen Lebenswelten, schreibe ich in meiner Freizeit Rezensionen und Lyrik. Letzteres wird vielleicht nun öfter mal hier zu lesen sein. Neben dem beruflichen Leben steht auch vielfältiges Engagement im gesellschaftlichen und politischen Bereich. Aktueller Lieblingsdichter: August Stramm

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