TEUTONIKA – Leben in Deutschland

Die Zeitreise in die „Neue Vahr Süd“

neuevahrsued.jpgNeue Vahr Süd, so der Name einer der Neubausiedlungen in Bremen, gesichtslos und steril in den Sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden, an den Rändern der Großstädte. In Bremen nicht anders wie in München, Hamburg, Frankfurt oder anderswo. Neue Vahr Süd, gleichzeitig aber auch der Name des neuen Romans von Sven Regener linkhausklein.png, der die Jugendzeit des Herrn Lehman beschreibt, dessen Leben im Berlin der Achtziger und Neunziger Jahre im gleichnamigen Roman beschrieben und mit Christian Ulmen als Hauptdarsteller verfilmt wurde.
War das Debüt schon ein Aufmerker, so ist es das zweite Werk erst recht. Denn Sven Regener gelingt es die Stimmung, das Lebensgefühl der Jugend zu Beginn der Achtziger Jahre perfekt einzufangen, voller Ironie und Witz. Herrn Lehmanns Kampf mit der Institution Bundeswehr – nachdem er seinen Kriegsdienstverweigerungsantrag verbummelt hatte – und die er nachträglich verweigert, lassen immer wieder Erinnerungen wach werden. Aber auch das Leben in der chaotischen WG, voller Spontis, K-Grüpplern und beginnender Punkbewegung hat Sven Regener zielgerichtet seziert. Die immer gleichen Auseinandersetzungen und Intrigen, die ständig wechselnde Aktivität vom Maoisten zum SDAJler, zum Friedensbewegten zum spontanen frühgrünen Strukturen, von politischen Klein- und Kleinstgruppen um Herrn Lehmann herum, der dies mit dem feinen Auge des Beobachters registriert und doch nicht richtig involviert ist, zeigen Sven Regeners Gespür für die Widersprüche der Jugend dieser Zeit.

Und dennoch erscheint es, als ob etwas beschrieben wird, das schon lange zurückliegt und schon zu einer idyllischen Erinnerung geworden ist. Herrn Lehmann geht es darum sein Leben zu ordnen, er erscheint als zielloser, verträumter Wanderer in den Aktivitäten um ihn herum, er kämpft um die Liebe eines Mädchens und mit alten Schulkameraden und mit sich selbst. Und entwickelt sich schneller als die anderen weiter, bis hin zu dem Entschluss, der sein bisheriges Leben hinter sich lässt. Wir wollen nicht zu viel verraten, den die Entdeckungsreise durch die Neue Vahr Süd muss schon selber angetreten werden, und man darf sich sicher sein, dass auch immer wieder das Lachen trainiert wird – es sei denn man war zu nahe an dieser Zeit und hat zu viele Eigenschaften aus den politischen Kämpfen dieser Jugendzeit mitgenommen…

Bernhard Meyer

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