VON DEM RAUM, IN DEM SIE SITZT, FÄLLT EIN SCHMALER LICHTSTREIF INS SCHLAFZIMMER.

VON DEM RAUM, IN DEM SIE SITZT, FÄLLT EIN SCHMALER LICHTSTREIF INS SCHLAFZIMMER; die Tür dorthin ist nur angelehnt. Sie schließt die Tür und setzt sich zurück an den Tisch. Sie versucht in ihrem Buch weiterzulesen.
  Von Zeit zu Zeit schaut sie in die Nacht hinaus.

Sie klappt die Seiten zu und setzt sich aufrecht, schließt die Augen und achtet auf ihr Herz. Ihr ist, als würde sie heute einfach ihr Leben begrenzen können.
  Später geht sie zur Tür und löscht das Licht.

„Sie sehen, total harmlose Bilder. Da haben Sie mich wohl doch falsch eingeschätzt. – Ich sammle nur Bilder, Aufnahmen für einen… einen Film.“
  „Als ich das Licht ausmachte, gerade eben, zum Beweis sahen Sie ´s ja, da kam ich zu Ihnen“, Penelope zeigt auf den leeren Bildschirm, so als würden immer noch Bilder laufen.
  „Gehen Sie doch bitte mal zurück. Oder nehmen Sie eine andere CD. Ich wette, und ich mein es nicht böse, wirklich nicht, hier gibt’s noch viele, viele. Es gibt noch andere Aufnahmen von mir, da bin ich mir ganz sicher.“
  Er sagt kein Wort, aber reicht ihr die Fernbedienung, bückt sich und bindet sich einen Schuh neu, hört ein leises Schleifen im CD-Player, und wie es dann abbricht. Er richtet sich auf und blickt zum Bildschirm, so als sähe er etwas, das er gar nicht kennt.
  „Da… na sehen Sie. – Auch für einen Film? – Sicher auch für einen Film…“

Sie steht in einer Ecke des Zimmers, in der es dunkler ist und
zieht sich nach und nach aus. Sie tritt dann ins Licht vor dem Spiegel. Als betrachte sie sich, ohne sich jedoch zu sehen, als sei sie vom Spiegel weit entfernt und könnte sich aber in ihm tatsächlich berühren: wollte sie es nur.
  Sie dreht sich langsam. Als wäre sie umringt.

“Manchmal vergesse ich Sie… sehr oft sogar. – Aber ich gehe jetzt. – Und ich sagte Ihnen ja schon: Ich wollte sie nur kennen lernen. – Und ich bin… bin zufrieden.“
  Sie hörte ihre Worte, als wären es die einer anderen gewesen, die aber mit ihr geht, sie zurückbegleiten wird, in die Dunkelheit ihrer Wohnung, so, als hätte sie selber diese Fremde darum vorher gebeten.

„Es gibt nichts Schlimmeres, als sich vor einem unsichtbaren Augenpaar zu bewegen. – Diese Leere… abgrundtiefe…“
  Indem sie die Klinke hinunterdrückt, wendet sie sich ein wenig zurück. Charlie ist ihr gefolgt.
  „… ich weiß nicht…“, sagt sie, als schüttle sie sich und schließt dann die Tür.

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