Gödel, Boltzmann, Habermas – Teil 1

Zur Polemik einer komplementären Verteidigung. /Teil1

Eine Aufgabe im diskursiven Mehrkörper-Ensemble einer demokratischen Informations-Gesellschaft, in der Meinungsfreiheit herrscht, fragt danach, wie man eine Freiheit wovon in eine Freiheit wozu überführt.
Ein bloßes Meinen macht ja noch keine Freiheit oder stellt zunächst mal nur eine Proto- Freiheit her, aus der dann ein Handeln und Gestalten erwachsen kann.
Bei uns gilt ein geregelter Prozess, der Meinungsinhaber über eine kommunikative Verkopplung in einem Meinungsabgleich zu einem Meinungsunternehmen zusammen schließt, zum Beispiel per Unterschriftensammlung zu einer Bürger-Meinungsbewegung als Meinungsgemeinschaft formiert, aus der dann im nächsten Schritt auch eine Partei hervorgehen kann, die dann über bestimmte Prozeduren ihr Recht auf Handlung anmeldet. In diesem Prozedere verwandelt sich „meine Meinung“ bereits in „unsere Unserung“. Im Status einer Partei zeigt sich, dass die eine ursprüngliche Meinung, zum Beispiel: „Dieser Ahorn in der Gödelstraße darf nicht gefällt werden.“ – die als Bürgerbewegung noch den Status einer überschaubaren „Unserung“ behauptete, nun nicht mehr für ein regierungskompetentes Mitwirken ausreicht. Denn als parlamentarische Partei, die eine gewisse Mächtigkeit an Zustimmung bedarf, hat sich der eine Ahorn in der Gödelstraße, um den sich am Anfang alles drehte, längst in eine abstrakte Menge von „Bäumen“ verwandelt, die als schützenswerte Menge von Bäumen nun für einen abstrahierten Punkt im Statut einer Partei steht, vielleicht sogar ganz oben auf der Agenda, die zum Beispiel besagt: „Wir wollen die natürliche Umwelt schonen.“
Bemerkenswert an diesem Vorgang ist, dass hier eine Beziehung zur Mathematik sich zeigt.
Ein geregelter Vorgang, der meine Meinung in unsere Unserung überführt, ausgehend von dem Dringlichkeitssignal eines einzelnen Baumes, dieses Dringlichkeitssignal mit einer Menge von Dringlichkeitssignalen vieler Bäume summiert, und hierbei zugleich die Meinungsinhaber in Unserungsvertreter einer Unserungsgemeinschaft als in einer abstrakten Gegen-Menge „Partei“ zusammenfasst, die dem Dringlichkeitsersuchen von Bäumen ein Gegen-steuerungsersuchen beistellt, entspricht der Grundoperation von Mathematik. Einer Mathematik, die in einem Abstraktionsprozess ein Gleichheitszeichen zwischen zwei abstrahierenden Mengen setzt. Konkrete Seinsmodi wie „dieser spezielle Ahorn-Baum in der Gödelstraße“ werden zu einer Menge X zusammengefasst, zu der Menge von „Bäumen“, die wiederum weiter abstrahiert zu einer Menge der Pflanzen, Tiere, Flüsse und Wälder sich schließlich als hochabstrakte Menge „Umwelt“ im Statut der Partei wieder findet, die ein Dringlichkeitsignal dieser Menge „Umwelt“ identifiziert zu haben glaubt, weshalb sie diesem Dringlichkeitssignal in einem Prozess der Willensbildung und Unserungsausübung eine Dringlichkeitspartei nicht etwa „gegenüberstellt“ sondern per Gleichheitszeichen zuordnet, sich per Gleichheitszeichen mit der schützenswerten Menge „Umwelt“ selbstreferenziell oder autopoietisch verkoppelt, identifiziert. Ein Prozedere der Unserungsbildung, in dem Herr Siebert, Frau Köster oder Herr Filbig ebenfalls abstrahiert wurden von konkreten Personen zu Mitgliedern einer Menge, die nun Partei heißt.
Das Interessante daran ist nun, dass diese „Partei der schützenswerten Umwelt“ pro-grammatisch in gewisser Weise abhängig von dem Problem geworden ist, das sie beheben möchte. Weil sie sich als Partei ja selbst programmatisch ernährt von – oder profiliert an – den Dringlichkeitssignalen, denen sie gegensteuert, in diesem Fall dem Dringlichkeitssignal Umweltschutz.
Das programmatische „Profil“ einer Partei bildet sich so in Selbstschließung zu einer Gemeinschaft aus, wie eine Zelle, als ein Ernährungssystem, dass sich von „Problemen der Umwelt“ ernährt. Anders ausgedrückt: Das programmatische Dringlichkeits-Profil einer Partei = das Problem, das sie lösen möchte. Die Funktionäre der Partei „ernähren“ sich von den Problemen, die sie erst in eine Partei-Programmatik umgewandelt, „formuliert“ haben und schließlich als politische Lösungsstrategie handlungsdynamisch in Form von Gesetzen „ausscheiden.“ Verabschieden.
Gesetze allerdings, die ja das gesellschaftliche Problem-Millieu peu a peu verändern, umwandeln – und im Extremfall schließlich ganz abschaffen, sprich: irgendwann wäre die Umwelt per Gesetz derartig geschützt, dass die Partei ein Profilproblem bekäme, ein Ernährungsproblem. Es gäbe nicht mehr genug Dringlichkeitssignale, welche das Profil der Partei energetisch informell plausibilisieren, stützen.
Die Partei droht problemseitig zu verhungern, sie müsste sich entweder auflösen – dies wäre ein Zustand, in dem es keinen Tidenhub zwischen Dringlichkeitssignal und Gegensteuerungs-ersuchen mehr gibt, in dem also das Fließgleichgewicht als Balancebewegung so total hergestellt wäre, dass die Partei als Organismus nicht mehr genug „Oberflächenspannung“ zur Einkugelung ihres Profils als programmatische Zellmembran bekommt; sie würde also regelrecht zerfließen, programmatisch verwesen – oder aber sie muss ihr Profil anders definieren, anpassen, mutieren in einen Organismus, der auf andere oder modifizierte Dringlichkeitssignale abhebt.
Genau diese Situation aber bringt jeden demokratischen Politiker immer in eine prekäre Lage. (Kann man bei Joschka Fischer gut nachlesen) Er muss balancehandelnd abwägen zwischen programmatischer Profil-Radikalität und profilaufweichender Kompromissbereitschaft, also einer programmatischen Öffnung der Parteiprofilmembran, um überhaupt einen handelnden Austausch der energetisch informellen Dringlichkeitssignale zu realisieren. In gewisser Weise ist eine Partei also darauf angewiesen, dass sie programmatische Gegner hat, als Gegenparteien, die verhindern, dass jede einzelne Partei ihre Maximalforderungen zu 100 Prozent einlöst. Denn wer sich immer zu 100 Prozent einlöst, löst sich auf, verliert seine informatorische Binnenspannung, die er braucht, um eine Zellmembran als Partei in pro-blemabhängiger Programmatik aufrechtzuerhalten. (Dieser Punkt ist interessant und ich werde später darauf noch einmal zurückkommen.) Im umgekehrten Fall, wenn die Partei sich profilradikal gebärdet und abschließt, riskiert sie die Isolierung vom informell-energetischen Stoffwechsel – sie droht dann zu verhungern, weil ihre Membran „hart“ wird, undurchlässig für handelnd informierende Diffusionsprozesse, die für den Stoffwechsel im Tidenhub des Fleißgleichgewichts lebensnotwendig sind.

Es gibt also keinen Grund für Polikerschelte. Diese Leute leisten eine Schwerstarbeit in einer solchen Balancehandlung, wie er in einem Prozedere der politischen Willens,-und Handlungsbildung abläuft. Die Beschreibung trifft auf alle Parteien und alle Programmatiken zu, die praktisch immer mehr verteidigen oder verhandeln müssen als nur ein einziges vordergründiges Dringlichkeits-Profilgeber-Signal.
Und ich ziehe meinen Hut vor der Leistung noch des letzten Hinterbänklers, der als Protein in so einem energetisch informellen Zellverband und Mehrkörper-Ensemble, das einen hohen Abstraktionsprozess durchlaufen hat, um überhaupt ins Parlament zu gelangen, seine Arbeit verrichten muss, in einem ständigen Abgleichsprozess aus Kompromissen und Kooperation, aus taktischer Verhärtung und strategischem Entgegenkommen, ohne dabei schizophren, zynisch, oder gar krank zu werden, so den notwendigen Tidenhub des Fließgleichgewichts aufrechterhaltend, in dem auch er mehr als „Funktion“ denn als „Person“ agiert, dabei aber trotzdem die Ziele nicht aus den Augen verliert, deretwegen er einmal angetreten war.
Ich habe nichts dagegen einzuwenden, dass öffentlich „verfeindete“ Politiker nach Feierabend ein Bier zusammen trinken, denn letztlich wissen sie um Ihr Funktionieren in einem solchen Mehrkörperensemble als balancierende Schwerstarbeiter der demokratischen Zivilität.
Was wiederum nicht heißt, dass sie hier etwas sehr Besonderes leisten würden; denn was auf die profilgebene Schließungs – und Öffnungsproblematik für Parteien zutrifft, das gilt sicher ganz grundsätzlich für jede einzelne „Psyche“, die immer balancieren muss zwischen dem Extrem totaler programmatischer Verhärtung und total opportunistischem Zerfließen. Auch eine „Psyche“ stellt nichts anderes dar, als eine Mittelballance zwischen diesen beiden Polen.
Auch eine „Psyche“ braucht die Widerwart, damit sie sich als Gegenwart überhaupt sta-bilisieren kann.
Die wirklich schlimmen und oft unüberbrückbaren Feindschaften polarisieren sich innerhalb einer Partei, zwischen den Flügeln und einzelnen Funktionären, weil hier keine Möglichkeit besteht, die persönlichen Differenz, die zugleich die Funktion und Fähigkeit definiert und damit den Zugang zu ernährungsrelevanten Reputationen, Pöstchen, Posten, Ministersesseln und schließlich den begehrten lebenslangen Pensionen, als wirklich relevante politische Probleme öffentlich zu verkaufen.
Diese wirklich schlimmen Feindschaften innerhalb einer Partei sind es, die letztlich dem politischen Funktionär zu schaffen machen und eventuell sogar den politischen Prozess korrumpieren können, nicht müssen. Das kann passieren, wenn ein Handeln aus reinem Profilinteresse das programmatische Handeln vollständig überlagert.
Hier schlägt dann das individuell konkrete Ernährungsinteresse jedes einzelnen Individuums durch, dessen Fähigkeit und Notwendigkeit zur Plausibilisierung seiner Funktion, seinen „Rang“ innerhalb der Problemlösungsnahrungskette markiert. (typisches Beispiel einer solchen erbitterten Feindschaft: Schröder und Lafontaine. Die trinken kein Bier mehr zusammen. Sie sind sich einfach zu ähnlich.)
Auf dieser Ebene haben bis vor kurzem noch die ganz archaischen rudelformierenden Komponenten wie Beißfähigkeit, Charisma, Rhetorik als klassisch hierarchische Alpha-Qualitäten etc… durchgeschlagen.
Aber diese Ära sieht offenbar gerade ihrem Ende entgegen. Der Geruchs- Zigarren- und Bauchmanager wurde abgelöst von einer eher geruchlosen systemisch-technischen Intelligenz. Nicht weil dieser alte Typ unattraktiv geworden wäre, sondern weil die Oszillation im Tidenhub der Problemlagen zwischen Aktion und Reaktion; oder im Reflexionsprozess zwischen Spruch und Widerspruch, zwischen der Öffentlichkeit und dem politischem System sich informatorisch und medial weiter beschleunigt hat – und zwar durch die permanente Anwesenheit von imaginären Öffentlichkeiten, Bildschirmen, Kommentaren, Bloggern, kommunikations-simulierenden und kommunikationsverarbeitenden Techniken, die in einer Mischung aus Psycho-Körpern und Technik-Körpern die Informationsflüsse parallelisieren, gleichzeitig aber immer neue Informationen in die Problemlagen einspeisen, ebenso wie Kommentationen und Missverständnisse, die Dringlichkeiten verstärken oder aber die Faktizitäten psycho-technisch durchmischt ebenso aufschaukeln wie ausdifferenzieren. Dies alles in einer hochfluiden Melange aus Aktion, Handlung, Vergewisserung, Rückversicherung und Korrektur – so dass jetzt ein transparenter Managertypus, ein hoch durchlässiger und beweglicher Führungs – und Politikstil gefragt ist. Anders gesagt: Die informatorische Fluidität im Oszillationszyklus bei der verarbeitenden Reflektion der Problemlagen lässt kaum noch Zeit für eine charismatische Chefzigarre, geschweige denn, eine solche zu Ende zu rauchen, um dem Rudel gegenüber olfaktorisch per Rauchzeichen eine zeithoheitliche Reviermarkierung vorzunehmen oder die Rangordnung zu vermitteln:

Der Chef war früher immer derjenige, der den Rhythmus des Fließgleichgewichts bestimmt hat, seinen Takt, das Zeitmaß. Der Chef ließ warten.
Der Chef war derjenige mit der Definitionshoheit darüber, was Zeit ist.
Die Zigarre, die er sich gelegentlich im Beisein Anderer gönnte, signalisierte die Souveränität über den Vorrat an Zeit aller Beteiligten, den er hier symbolisch in der Hand hielt. Symbolisch auch deshalb, weil eine Zigarre in ihrem irreversiblen Abbrand den 2. Hauptsatz der Themodynamik vorzüglich symbolisiert; der Chef, der in einem bestimmten Rhythmus daran saugte, oder sie sogar zwischendurch ausgehen ließ und wieder anzündete, machte klar, dass er den Rhythmus bestimmt. (Dass die Zigarre ein Phallussymbol sein soll, gehört zu den großen Irrtümern, sie ist ein Zeitsymbol. Und sie bleibt es, auch wenn eine Praktikantin damit spielt.)
Das Selbe gilt für die politische Rhetorik. Eine gute politische Rhetorik lebt weniger von besonders bemerkenswerten Inhalten, als vielmehr von einem Schwingen der Pausenzeichen, den Auslassungen, dem Rhythmus der Setzungen im Fließgleichgewicht zwischen dem Heben und Senken der Stimme, was aber immer Zeitlosigkeit produziert, in dem sie Zeit verbraucht, voraussetzt und damit zugleich produziert und signalisiert. Ebenso wie eine gelegentlich eingestreute Analogie, ein Vergleich, ein sprachliches Bild, die der gute Redner wie einen schönen Aschekegel auf die Zuhörer in gewissen rhythmischen Abständen abklopft. Eine solche Rhetorik wirkt umso stärker, je mehr Pausen sie verträgt, als Rauchzeichen der Nichtigkeit, oder je weniger darin die Pausen, also das Nichtssagende, auffällig werden.
Eine gute Rhetorik ist eine Chef-Zigarre für Nichtraucher.
Das klassische „Charisma“ war früher die Fähigkeit eines Menschen, die um ihn herumgruppiert körperlich Anwesenden in den Operationsrhythmus der eigenen Zeit einzuwiegen, sie in den Tidenhub des eigenen Fließgleichgewicht zu ziehen, in dem sie sich wie Babys in Zeitlosigkeit gewiegt und aufgehoben fühlten, so dass sie schließlich dieser Bewegung, die nicht von ihnen kam, „folgten“.
Obwohl das bei Wahlkämpfen auf Marktplätzen und vor Handwerker-Innungen oder in Bierzelten noch eine Rolle spielen mag – (wobei der amerikanische Wahlkampf gerade gezeigt hat, wie mächtig auch hier die technisch vermittelte, imaginäre Öffentlichkeit des Internets, der Privatreporter und Digitalkameras, auch diese rein interpersonelle Direktheit gerade relativiert) – diese altehrwürdigen operativen oder stilistischen Elemente der „Präsenz“ rhythmisierenden und zeitlosigkeits-produzierenden Signal-Gestaltung und der archaischen Führungsqualitäten sind abgelöst worden oder werden allmählich abgelöst von einem Funktionenrhythmus in der vernetzten Flächigkeit technischer Systeme. Das Handy als Nachrichten, – und Informationszentrale, als mobiler Server, Knoten, – und Verwaltungspunkt hat die alte Zigarre abgelöst. Mächtig ist der, bei dem es am Häufigsten, vielleicht sogar rhythmisch, piept, oder der es per Verteiler bei den meisten gleichzeitig in der Fläche piepen lassen kann. Die Chefin verwandelt sich zur DJane, die eine imaginäre Halle virtuell Permanent-Anwesender per verteiltem Piepsignal oder Klingelmelodie zum Tanzen bringt.
Die SMS-Regierung, die es schon länger gibt, aber für die Angela Merkel besonders bekannt wurde, steht damit für einen hochmodernen Politikstil, für ein langsames Abfließen des alten personengebundenen Charismas in die Funktionalitäten der Informationstechnik und damit auch für eine Fähigkeit, für eine transparente, hochdurchlässige Regulierungskompetenz, die solche informellen Systeme der Vernetzung, die zugleich auch den medialen Reflexionsapparat stellen, an der Regierung regelrecht beteiligt.
Die SMS-Regierung ist bereits, ganz automatisch und zum Teil: Ein Parlament der Dinge.
Zugleich muss aber auch diese „Chefin“, da sie selbst nur 1 mobilen Server innerhalb eines Informationsnetzes stellt, ein entwickeltes Sensorium für die Rückkopplung, also für die bei ihr eingehenden Nachrichten ausbilden. Die virtuell Permant-Anwesenden, die sie regiert, bringen Rückkopplungen. Sie darf also die Hand nicht von den Plattentellern, den Tasten, nehmen oder nur selten, oder nur, wenn sie sich auf ein gut synchronisiertes Team von Stellvertretern verlassen kann.
Rückkopplungen, die sie heute immer schneller bekommt, die sie permanent bewerten und verarbeiten muss, aus denen sie wieder Reaktionen generiert, wobei sie den Rest an Zeit verbraucht, die ihr früher für eine gepflegte charismatische Führungszigarre noch geblieben wäre.

Das Regierungsgeschäft im Mehrkörper-Ensemble einer technischen Informationsgesellschaft, und das gilt auch für das Management in Unternehmen, ähnelt dem Einschwingungsvorgang bei einem Rave – schönen Gruß an Rainald Goetz – wo der DJ und die „Regierten“ – wenn es gut läuft, in einem gemeinsamen Fließgleichgewicht im Tidenhub aus Aktion und Reaktion interagieren. Für einen Moment wiegt sich die ganze Gemeinschaft in Zeitlosigkeit wie im Bauch einer Mutter. Der DJ regiert, indem er funktioniert. Die Regierten funktionieren, in dem sie den DJ gut rückkoppeln, unter das Kuratell ihrer Reaktion stellen – also: reagieren. Bei einem guten Rave weiß niemand mehr, wer zuerst mit der Musik angefangen hat. Der Souverän aber, also der, der nach Carl Schmidt über den Ausnahmezustand entscheidet, ist jetzt der Strom. Von ihm hängt jetzt alles ab. Wenn bei einem Rave plötzlich der Strom ausfällt, wäre das der Ausnahmezustand, ähnlich wie bei der Übertragung eines wichtigen Fussballspiels oder mitten im Börsenhandel.

Die Technik selbst, mit dem Strom, der sie wie Blut versorgt, wird charismatisch, weil rhythmusgebend und fließgleichgewichtsdynamisierend.

Für langatmige persönliche Charisma-Zigarren bleibt keine Zeit und kein Raum mehr.
Oder nur nach Feierabend.

Jedenfalls verwundert es nicht, dass die handelnden Figuren oder Personen des gegenwärtigen Regulierungsstils gegenüber den alten Zigarrenrauchern eher farb- und geruchlos rüberkommen, beinahe austauschbar. Das aber sagt lediglich etwas über ihre Qualifikation aus, nichts über ihre Unfähigkeit. Die öffentliche Zigarre als fließgleichgewichts-rhythmisierendes Zeitgeber-Signal, rhythmisch besaugt, das in seinem Abbrand den 2 Hauptsatz der Thermodynamik zwischen einem Chef und den körperlich anwesend Regierten ins Spiel brachte, muss tatsächlich als beinahe aufgeraucht betrachtet werden.
Insofern spiegeln die Nichtrauchergesetze lediglich einen tieferen
„Strukturwandel unserer Öffentlichkeit“ innerhalb einer technischen Informationsgesellschaft, die sich langsam aber sicher auch auf ein rauchfreies nachfossiles Energie-Zeitalter einstellt. Dieses wäre zunehmend ein Zeitalter der Gleichzeitigkeit

Ein guter DJ muss sich transparent machen können, farblos, geruchlos, oder wenigstens beinahe. Er spielt keine Rolle mehr, er geht in Funktion.

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