Was bisher geschah, steht im ersten Teil.
Grochowiak lauscht, unterbricht dann aber die Vorschläge von Herrn Jobst: „Herr Jobst! Wenn ich keinen Spaß verstehen würde, dann hätte ich schon längst die Kollegen zu Ihnen geschickt. Die hätten dann aber Sie geholt, Herr Jobst, nicht Ihre Frau!“
Herr Jobst scheint zur einer längeren Erklärung angesetzt zu haben. Grochowiak lauscht. In seinem Gesicht zeigt sich Verständnis. Er ist keiner, der hier nur Dienst nach Vorschrift macht. Der Mensch, sagt er sich immer. Und auch den Anwärtern, die bei ihm hospitieren. Der Mensch!
„Ich versteh das schon, Herr Jobst. Ich weiß, was das heißt, wenn eine Ehe…ich war ja selber mal… aber das hilft uns jetzt nicht, Herr Jobst! Das ist hier die falsche Ansprechstelle. Da müssen wir uns was überlegen. – Geben Sie mir doch mal Ihre Frau!“
Grochowiak hört, wie das Jobstsche Telefon im Ehebett weitergereicht wird. Nach den Geräuschen zu urteilen: noch mit Kabel. In der Ehe der Jobsts scheint wirklich viel zu stagnieren. Die müde Stimme von Frau Jobst: „Jobst.“ Da ist nicht nur Müdigkeit. Da ist auch Beschämung, dass sie den Namen ihres Mannes als ihren eigenen nennen muß. Grochowiak will Trost spenden und antwortet fröhlicher, als es die Sachlage hergibt: „Hallo, Frau Jobst! Ich bin es mal wieder. Mensch, Ihr Mann ist ja ein kleiner Spaßvogel, was? Aber, Frau Jobst: Das geht so nicht weiter. Sie müssen das in die Hand nehmen. Ich muß da sonst Maßnahmen ergreifen.“ – „Was?“ fragt Frau Jobst. So viel Müdigkeit. Grochowiak würde sie am liebsten wachrütteln. „Frau Jobst!“ ruft er zu laut, dass PK Schmidt-Bäuerle im Schlaf zusammenschreckt. Grochowiak mäßigt sich wieder: „Können Sie dem Spielkind nicht einfach mal das Telefon wegnehmen?“
Schweigen. Dann ihre Stimme, wach, klar mit neuer Hoffnung. „Nein, nein!“ sucht Grochowiak sie zu bremsen. „Sie dürfen da keine Gewalt anwenden…schon gar nicht mit einer Waffe! Frau Jobst! So hab ich da nicht gemeint!“ So klar hat er Frau Jobst noch nie erlebt. Das wäre ja… vielleicht nicht Mord, aber zumindest Totschlag im Affekt. Er hat das Gefühl, dass ihm dieses Gespräch irgendwie aus den Händen gleitet. Doch dann die Erlösung: „Ach, so! Wir spielen Ihrem Mann jetzt auch mal einen Telefonstreich. Ja, ich kann mir vorstellen, wie gerade guckt, Frau Jobst!“
Grochowiak kichert erleichtert. Rein theoretisch kann man doch mal ein bisschen rumalbern. Gerade mit Frau Jobst; viel zu lachen hat sie ja nicht. Und ihr Mann hatte sich den Scherz auf seine Kosten selber zuzuschreiben. „Ja, natürlich würde ich aussagen, wie Herr Jobst hier Nacht für Nacht angerufen hat. Aber nicht, weil ich Ihnen da einen Gefallen tue, sondern weil ich unter Eid stehen würde. – Ob das strafmildernd…? Ich bin kein Richter, Frau Jobst. Aber rein theoretisch würde ich sagen: schon. Könnte ich mir vorstellen.“ – „Das ist nett, Frau Jobst, dass Sie das sagen. Ich mag Ihre Stimme aber auch.“
Ob sie ihm eine letzte persönliche Frage stellen dürfe? Trotz seines Pflichtbewusstseins ist Grochowiak fast enttäuscht, dass ihr kleines Spiel nun zu Ende geht. Ja, das dürfe sie:
„Ich? Ich bin geschieden. Gute Nacht, Frau Jobst.“
Er legt mit einem breiten Grinsen auf. Frau Jobst hatte ihn überrascht. Von wegen müde. Sie hatte es ihrem Mann mit gleicher Münze heimgezahlt. Sogar eifersüchtig hat sie den Kerl gemacht. Mit ihm, Grochowiak. Im Dienst! Er grinst noch immer. Und er ist sich ziemlich sicher: Die Anrufe von Herrn Jobst haben sich erst einmal erledigt.
Ende.



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