Vielleicht wie eine ins Gras herabfallende Nebelkerze, die abseits von jeder Begründung selbstständig und nach einem trockenen Plopp mitten im Bauch aufgekommen zündend anglimmt, auf eine Weise liegend den Magen des Morgens einwölkt, und so vor sich hin dampfend in den Raum raucht, der davon wolkig, gewölbt, geräumig wird, wärmer und wandig, und so in seiner Wandigkeit räumend diesen Raumpunkt umdauert, Fülle andeutet durch Nebeldampf an eben diesem Punkt und Bauchraum, von dem er kommt oder zu diesem Punkt er sich hindehnt, der da so innerlich glimmt und Raum zu Bauch Raubung erzeugt und bäuchlings ansaugt, was mengenleer und Menge nur durch Wolken vortäuschend wärmer zwischen den Magenwänden räumt.
Magenwände, die sehr herumstehen, umherstehen, im Raum stehen, um diesen Hauch und Raumbauch herum dauern, abseits von einer Aufgabe und ihrerseits deshalb unbegründet im Hinhalten und Herhalten lediglich diesen Fülle antäuschenden Raum umstellen müssen, der aber nichts darstellt, das notwendig dauernd umstellt sein muss, dafür das Hinhalten und Herhalten diese Wände ungehalten werden lässt, ungehalten andauernd um ein Raumsein herum, das wolkig sich nur bildet als Raummenge in einem geräumigen und inzwischen auch rauen oder prickelnden Bauchraum, der wolkenhaft warm entwickelt nun umstehende Magenwände aus ihrem bloßem Umherstehen um das glimmende und geräumige sogar raunende, fast schon saugende Zentrum bald mehr von einem Umstellen in ein Umringen hinein zwingt, was dem Warmwolkigen im Innern der prickelnden Leere eine gesteigerte Wärme und Dichte, eben eine Umringtheit gibt, die bald danach zu einem Ballen von Rau hitzig sich baucht, dem aber innen drinnen gar nichts entgegensteht ausser raumgeballter Bauchleere, weshalb es von seiner dichten Geballtheit ungehalten in den Bauch zurück raunt, sich wiederum ausbaucht, wobei ein weitaus fühlbarer Leerraum mit nichtigem Warmhauch sich aufraut, sich öffnet wie wölbend dauernd und umso deutlicher Raum baut, ansaugt, und so seine Raumleere aufgeraut und grasig heiß über die Magenwände in den Bauchraum sendend nach einem Schlucken sich dehnt, vielleicht von etwas leicht Gesalzenem oder Zartknusprigem, das von oben her knuspernd über die Knospen und Papillen heranfließend diesen warmen Raum nun endlich baucht, damit die Magenwände nicht mehr dauernd so ungehalten im Raum herum stehen und das Gesauge und Geraune und Geraube im Bauchraum endlich einen Raum hat –
“Ich habe ein bisschen Hunger.” – sage ich zu Ulrike.
Tatsächlich könnte ich jetzt etwas vertragen. Es ist schon spät. Ein Stück Fleisch, das porig in der Pfanne pratzelt. Oder vielleicht auch etwas Rüherei, orange gelb in der Schüssel schön schaumig gerührt mit glitzernd grünen Lauchstücken samt Knusperspänen von roter Paprika drin. Ein paar blinkende Salzkristalle, Schafskäse, auch ja. Aber eigentlich würde mir schon genügen ein Stück dampfendes Krustenbrot, dass man so abbricht, dazu ein goldiger Gouder. Oder vielleicht auch ein Stück zungengebreiteter Frischlachs auf einem feinem Toast, herrlich, dazu eine Avocado, pflaumenweich mit etwas Parmesan bestreut und dann saugend gelöffelt wie ein Frühstücksei….
Ulrike dagegen ist ja bekennende Süssfrühstückerin. Sie mag morgens eher voluminös aufschäumende Konfitüren, die sie auf kleine Tortellets streicht. Möglichst mit ganzen Früchten, selbstgemacht, die zwischen Gaumen und Zunge zerplatzen zu kleinen Sternchen…
Dabei isst sie ja morgens nie wirklich viel. Aber ihr Körper, den ich gerne anschaue, lässt mich gleich ans Essen denken. Ich denke, das ist trotzdem alles Essen. Es hat Form angenommen. Die Beine da. Die Arme. Die Haare. Der Mund. Interessante Form, die das Essen so annehmen kann. Zum Reinbeißen.
Es knistert auf dem Bett. Das Papier der Zeitungen. Wir schauen in den Immobilienteil. Es geht immer noch um die gemeinsame Wohnung. Wie viel Raum brauchen wir eigentlich. Drei, vier Räume? Man kann ja nie wissen. Auch das Haus ist wichtig. Mit Liegeradfahrern können wir auskommen, aber mit Leuten, die große Hunde haben, nicht. Kinder? Stören nicht. Vielleicht haben wir ja selbst bald eins. Oder sogar zwei. Wie viele Räume? Tatsächlich haben wir uns darüber sogar auch schon einmal gestritten. Ein Streit über unbewohnte Räume. Ich bevorzuge Nordseiten, weil ich direkte Sonneneinstrahlung in Wohnräumen nicht ertragen kann. Ich finde direkte Sonne in geschlossenen Räumen immer sinnlos, oder widersinnig. Drinnen ist drinnen und draußen ist draußen.
Ulrike sieht das anders. Sonne ist doch schön. Schön hell muss es sein. Ich sage dann: Ja, aber hell ist draußen. Drinnen ist drinnen. Keine große Sache eigentlich. Man kann Kompromisse machen. Vielleicht eine Wohnung mit Nord-Südachse oder mit Ost – Nord-West – Achse, dann scheint Morgens leichte Sonne und abends ein wenig, und tagsüber bleibt es angenehm dunkel.
Andererseits ist mir das Thema auch nicht so wahnsinnig wichtig. Obwohl es mir großen Spaß macht, nach Wohnungen zu suchen. Man kommt dabei viel in der Stadt herum und trifft dabei interessante Menschen. Da Ulrike die Sache genauer nimmt, suchen wir jetzt schon eine Weile. Sie hat mir auch schon zum Vorwurf gemacht, dass ich mich für Wohnungen gar nicht interessieren würde. Was aber so nicht stimmt.
Geld ist bei uns nicht das Problem. Wir könnten auch im Internet nach Wohnungen suchen, was wir sicher bald auch tun, aber die Zeitungen knistern so schön im Bett. Mir gefallen die großen Immobilienteile. Vielleicht könnte ich mich mehr bei der Wohnungrecherche engagieren, da mag sie Recht haben. Aber sie nimmt es schon selbst genau genug. Das reicht eigentlich auch. Vielleicht hat sie da auch ein bisschen etwas von ihrem Exfreund abbekommen, der neben seiner Tätigkeit als Möbelrestaurator auch Filtersysteme zu De-Ionisation von Leitungswasser vertrieben hat. Da auch er in seinem Job viel herumgekommen war, auch in den besser verdienenden Haushalten, hatte er wohl gemerkt gehabt, dass selbst in perfekt eingerichteten Wohnräumen immer noch etwas zu tun übrig blieb. Erst war er wohl mit seinen Kunden ins Gespräch gekommen darüber, wo denn nun der aufbereitete Bauernschrank am besten stehen könnte, und dabei war es wohl öfter vorgekommen, dass da von Seiten der Kundschaft plötzlich Feng Shui – Wissen eingefordert wurde. Also hatte er sich weitergebildet, und so gab eins das andere. Schließlich wurde er dann Experte im Auspendeln von Lebensmitteln und Mittelpunkten, bei der Schlafplatzbestimmung per Wünschelrute und zu guter letzt im Vertrieb von homöophatisch motivierten Filtersystemen, die das nur scheinbar gute Leitungswasser mittels irgendwelcher Japansteine für ca 3800 Euro überhaupt erst trinkbar machten.
“Er hat das eben so mitgenommen. Neben den Möbeln” – meinte Ulrike.
“Und du hast davon auch was mitbekommen.” – sage ich.
“Hab ich nicht.” – sagt sie.
“Ist doch kein Problem, eine kleine Macke hat jeder.”
“Wieso Macke – ich will’s eben schön haben.”
“Ich meine, ein Steckenpferd.”
Aber wie gesagt, mich stört es auch garnicht so sehr, dass das nun schon eine Weile so andauert mit der Wohnraumsuche. Wir kommen viel herum, sind an der frischen Luft und sehen viele neue und alte Häuser, Räume.
(Fortsetzung nach der Werbung.)



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