Liebes Katerchen,
mit den Führern, die wir uns suchen ist das vermutlich so:
Ich habe keine Lust zu denken, dort oben ist jemand, dem machts augenscheinlich nichts aus für mich zu denken, sich zu überlegen was gut für mich ist und mir Anweisungen für mein eigenes Leben zu geben.
Den ganzen Tag arbeite ich und schaffe etwas von Wert, damit ich mich später zur Ruhe setzen kann. Da habe ich kaum noch Zeit mich um meine eigenen Belange zu kümmern oder mir Gedanken zu machen was mit der Welt um mich herum geschieht.
Ich wähle jemanden, der mir das abnimmt, der mir verspricht “Alles was ich tue, mache ich für DICH. Damit es DIR besser geht. Vertrau mir, ich weiss was ich tu.” Und warum soll ich ihm auch nicht vertrauen, ich will mich nicht um alles kümmern müssen. Die Welt ist so groß und ich bin so klein, jemand muss auf mich aufpassen.
Ganz nebenbei kann ich dann auch immer die Verantwortung abgeben, denn das was geschieht, habe ja nicht ich gemacht, sondern der da oben.
Jetzt kannst du, Katerchen, sagen, dass ich den da oben ausgewählt habe, aber mal im Ernst, was zählt schon meine kleine Stimme. Ich bin doch nur Therese, niemand interessiert sich für Therese. Therese geht in den Wählkasten und kreuzt irgendwo an, wo sie denkt, dass auch alle anderen ihr Kreuzchen machen, denn was alle wählen, kann für mich auch nicht falsch sein.
Initiative und Eigenverantwortung, das ist was für Menschen mit Mut und Stärke und Überlebenswillen und Gerechtigkeitsempfinden. Nichts für jemanden wie uns beide. Schau, du bist nur ein Kater, ich bin nur eine Frau. Wir beide sollten besser nur füreinander da sein, ich geb dir deine Milch, du umschmeichelst meine Füße und schnurrst für mich. Das genügt, mehr muss nicht sein. Wir bleiben in unserer kleinen Welt, denn das Unglück geschieht immer nur den Anderen. Niemals uns selbst.
Deine Therese



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