DggW.

Mein Doktorvater, der mich bei meiner Arbeit zu „Der Gepflegte Gutbürgerliche Widerspruch” (DggW linkhausklein.png) unterstützt, hat mich auf Widersprüche in meiner Argumentation aufmerksam gemacht. Die Wellenlinien seines roten Kugelschreibers verwandelten mein Manuskript in ein blutiges Meer, auf dem hier und da Fragezeichen wie die verbrannten Masten verlorener Schiffe geisterhaft auf und nieder drifteten.
Er sagte, ich solle das nicht falsch verstehen, er wolle mir nicht direkt widersprechen, aber er hätte da schon noch ein paar Anmerkungen.

Zum Beispiel sei ihm meine Behauptung, wenn er sie so richtig verstanden habe, dass der ggW heute als loser, nur noch kulinarischer Reflex irgendwie herumbaumle, wie ein nutzloser Apendix, den man eigentlich aus der Kommunikation entfernen könne, diese Behauptung sei ihm – aufgestoßen.
Denn schließlich sei doch auch meine eigene Arbeit zu DggW selbst ein wenn auch subtiler ggW, also eine kontrapunktische Unternehmung, (der er ja ihrem Wesen nach keinesfalls widersprechen wolle) Eine Unternehmung aber, die eben auch darauf abziele, dass es sich mit DggW selbst EBEN NICHT SO, SONDERN GANZ ANDERS VERHÄLT.
Es sei eben nicht damit getan, einfach zu schreiben: „Die Tempelritter – das sind wir.“ Das müsse ich schon noch mal genauer erläutern.
Und warum soll der ggW in einer „künstlich zugerüsteten“ Kulturlandschaft seine Referenz verloren haben?
Sei nicht vielmehr jede Landschaft, ob künstlich zugerüstet oder nicht, immer eine primär erfahrene Umwelt, in der man sich unter dem Vorbehalt des Verdachts, dass ETWAS EBEN NICHT SO, SONDERN GANZ ANDERS IST, bewegen müsse?
Ein Rasierapparat zum Beispiel gehöre zur Kulturlandschaft, aber auch einem Rasierapparat müsse man wenigstens zwei kontrapunktische Zustände zubilligen, als da wären kaputt/nicht kaputt – oder – an/aus. Den Unterschied zu einem Pilz (giftig/essbar) könne er da nicht so sehen. Außer vielleicht, dass die beiden Zustände eines Rasierapparats nicht ganz so „informell brisant“ seien, wie etwas bei einem Pilz. Aber auch einem Rasierapparat müsse man sich jeden Morgen mit dem Vorbehalt des Verdachts nähern, DASS ER GAR NICHT SO, SONDERN GANZ ANDERS IST. Es könne ja durchaus sein, DASS ER EBEN NICHT GANZ, SONDERN KAPPUT ist.
Ich habe mich bei meinem Doktorvater bedankt. Obwohl seine Einwände schon weh taten. Aber das ist ja sein Job.
Ich werde darüber nachdenken.

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