Zur Installation “Jörg Kachelmann.”
Einreichung zur Documenta 13, 2012
Erneut gewinnt eine Installation an Ausstrahlung, eben jenes unbekannten Künstlers, der schon im Falle seines Werkes “Dieter Althaus” ein raffiniertes-klick-hier-Environment der staunenden Öffentlichkeit als dynamische Skulptur präsentiert gehabt hatte. Damals, vor anderthalb Jahren, vielleicht nur als Fingerübung arrangiert zu dem gerade aktuell sich heraus schälenden Meisterwerk, das hier aus seinem kompositorischen Elementen geradezu hervorblühend über sich hinauswächst. Die neue dynamische Skulptur “Jörg Kachelmann” zeigt ein raffiniertes Geflecht von Zitationen und Anspielungen, die der Künstler ästhetisch zu einem genreübergreifenden und mehrdimensionalen Organsimus verkomponiert hat, und dessen narratives Potential geradezu vorbildlich einer deleuzianischen Rhizomatik folgend in okkasionelle Interdependenzen die psycho-öffentlichen Verhandlungsräume in reine Erregungsräume verwandelt.
Erneut unter Ausnutzung aller telemedialen Kanäle beeindruckt das Werk ob seiner weiteren konzeptionellen Verdichtung und Komplexität bis in mythologische Tiefen hinein, die hier über Jahre schrittweise, ja – man kann beinahe sagen: schichtweise – vom unbekannten Künstler mit ruhiger Hand aufgetragen wurden. Der Künstler hat darin verschiedene Spuren ausgelegt, auf denen man sich seinem Werk interpretatorisch annähern kann.
Einer Bemerkung Jacob Burckhards folgend, nach der Kunstgeschichte aufs Wesentliche hinlenken müsse, wäre zunächst vom mythologischen Kern der dynamischen Skulptur “Jörg Kachelmann” zu berichten: Das Wetter. Der ethymologische und onomatopoetische Echoraum “Wetter” und “Gewalten” – der ja hier als Funktionenraum ebenso wie als Assoziationsraum mit der Figur eines Meteorologen zum Sagenraum der griechischen Mythologie interferiert, in dem Zeus aber auch Poseidon bekanntlich in nicht gerade gewaltlosem “Wettern” Ihre Macht und Launen mit Blitz, Donner, Überschwemmungen – und ja – bis hin zur Vergewaltigung – immer wieder durchsetzten – das wäre als narrativer Reaktorkern der Installation “Jörg Kachelmann” leicht identifizierbar. Hatte nicht schon Zeus als Stier verkleidet die Prinzessin Europa durch mittelmeerische Tiefdruckgebiete nach Kreta entführt? Und war es nicht der Meeresgott Poseidon, der ein Stier dem Meer entsteigen ließ und Minos Gemahlin Pasiphae so verzauberte, dass sie sich in einen Stier verliebte, mit dem sie dann das schreckliche Mischwesen Minotaurus zeugte? Apropos Mischwesen und Elementewesen. Ja, der Stier war in der griechischen Mythologie durchaus oft mit dem Wasser, dem Meer, der Feuchtigkeit und dessen – wenn man so will – immer auch meteo-ero-logischen Druck-Gebieten assoziiert.
Die Raffinesse der Installation “Jörg Kachelmann” befeuchtet jederzeit in unseren immer noch archaisch strukturierten Psychen einen nur oberflächlich trockengelegten Kanal zwischen Eros und Meterologie. Nur eine kleine Veränderung in der Buchstabenfolge – und der tiefe, der wesentlich heizende Reaktorkern der Skulptur wird erkennbar: Met-ero-logie.
Aber nicht nur den klassische Sagenraum hat der unbekannte Künstler interdependiert. Ebenso arrangiert sich eine zeichenhafte Sensorik hin zum heidnisch volkstümlichen Sagenkreis der Froschprinzessin. Ein Märchen, dessen Wurzelwerk tiefenpsychologisch eingreift. Seine Semiogenetik, hier in durchaus sexueller Anspielung gesetzt, zitiert den “Wetterfrosch” als amphibisch – glitschig – lesbares Zeichen. Er zeugt als Zwischenwesen von der amphibischen Mobilität unseres Daseins, das immer beiden Elementen verbunden bleibt und nie ganz entschieden agiert zwischen meteorologener Vorhersagbarkeit und meteo-erotischer Unberechenbarkeit in den Sümpfen, Stürmen und Tiefhochruckgebieten menschlicher Obsessionen.
In Zeiten des Klimawandels und der Temperaturverschiebungen, hat der unbekannte Künstler mit seiner dynamischen Skulptur “Jörg Kachelmann” auch ein Menetekel und ein Stück Weltkunst installiert, das uns daran erinnern muss, wie wenig wir auch heute noch, bei aller “Aufklärung” das Wetter eigentlich beherrschen. Oder anders ausgedrückt: Gerade die zunehmende Kachelung unserer zivilisatorischen Klimaräume lockt die taurisch feuchte und zum Teil unberechenbare Wetterküche geradezu herbei. Zeus und Poseidon überspülen oder unterspülen nach wie vor auch unsere medialen Kanäle.
Und “Wetter” kann hier durchaus mehrdimensional ebenso auf zwischenmenschliche Klimaräume deuten wie auch auf planetare. Dass der Künstler seine Skulptur mittlerweile zu einem Tröpfchenphänomen in multimedial verschwitzten Kommunikationsräumen sich entwickeln ließ, zeugt von eben dieser amphibischen Unruhe, die zwischen den Elementen Archaik und Moderne mobilisiert bleibt wie in einem Wasser-und Verdunstungskreislauf.
Die Stilistik der “Schwebe” hatte der unbekannte Künstler bereits bei seiner Installation “Dieter Althaus” kultiviert. Hier erst in verschiedenen (künstlichen) Koma-Stadien – und dann – wie jetzt auch bei “Jörg Kachelmann” in einem Prozess zwischen den Elementen Schuld und Unschuld in Verdunstung und Kondensation ätherisch zirkulierend. Die Öffentlichkeit ist nun eingeweiht. Wir dürfen gespannt der weiteren Dynamik der Installation “Jörg Kachelmann” entgegensehen.
Zu beantragen bleibt die umfassende Aufstellung der Installation “Jörg Kachelmann” als dynamische Skulptur in einer separierten Halle auf der Documenta 13 in Kassel 2012.
Schlagwort und Motto der Dokumenta 13: Okkasionelle Interdependenzen.
Der KonText kann als Handschrift im Original gegen Zahlung von 20 Tausend Euro als NARRATIVER REAKTORKERN der dynamischen Skulptur beim Autor (als Galeristen) erworben werden.

